Mal konkret: »Ellington!« von Örjan Fahlström

Musik in Worte zu fassen ist definitiv immer eine Krücke. Es gelegentlich nicht zu wagen aber auch eine Unterlassung. Der Mensch ist neugierig und, soweit den Dingen offen, auch mal an Meinungen, Stimmungsbildern oder Erfahrungen anderer interessiert. Über Musik zu philosophieren ist herrlich streitbar und hat in der Regel immer Aussicht auf Reaktion. Heute auf dem Notenpult: »Ellington!« – Musik von Duke Ellington im Arrangement von Örjan Fahlström.

100 Jahre Jazz! Eine sicher mit Augenzwinkern gewählte Hauptüberschrift der Mai-Ausgabe. Thema war der Jazz und die Bläser, gar der Jazz und die Blasmusik. Eine Annäherung, die zu interessanten Reflexionen einlud, durchaus Bewusstsein weckte und dabei natürlich definitiv keinen Vollständigkeitsanspruch hatte. Klar, dass da in den Listen und Reihungen mehr als ein großer Name des Genres fehlen musste. Einer fehlte mir aber ganz besonders: Ellington. Vom Klavier ausgehend, ist sein Schaffen, von der »Small Band« über die »Big Band« bis zum orchestralen »Symphonic Jazz«, über einen langen Zeitraum erfüllt von ­großer Kreativität.

Edward Kennedy »Duke« Ellington: Für mich einer der auffälligsten Vertreter des frühen Jazz und zudem von Anbeginn an maßgeblich daran beteiligt, das Genre weiterzuentwickeln. Ihm in wenigen Worten gerecht zu werden selbstverständlich auch unmöglich. Ein paar Infos zu seinem Leben aber nicht unnütz, um ihn, seine Musik und vielleicht auch das, was im von mir angesprochenen Arrangement für Blasorchester eigentlich zum Ausdruck kommen kann, besser einordnen zu können.

Die Idee zu »Ellington!«

Es muss Fahlström gereizt haben, mit der Vielstimmigkeit und Farbigkeit eines großen Konzertblasorchesters besonders der Tiefe in Ellingtons Musik nachzuspüren. Er schrieb kein »gefälliges, tanzbares Hit-Medley«. Vielmehr schuf er eine Art konzertanter Suite, die selbstverständlich an den richtigen Stellen »bigbändige« Freude verbreitet, aber zudem auch viel vom dichten Klangverständnis Ellingtons in sinfonischer Art und Weise auslebt.

  • 29.06.2016
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 7-8/2016
  • Seite 11-13

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