Mal konkret: »El Camino Real« von Alfred Reed

Wenn sein Name fällt, dann liegt wahrlich schon Musik in der Luft: Alfred Reed, einer der bedeutendsten amerikanischen Komponisten für »Großes Blasorchester«. Seine Bekanntheit ist weltweit. Bis ins hohe Alter war er nicht nur ein gefragter Komponist, er war zudem auch ein gern gesehener Gastdozent und Dirigent. Herausragend seine Präsenz in Japan, die der Musikwelt viele unvergessene Aufnahmen hinterlassen hat.

Knapp zwei Jahre vor seinem Tod dirigierte er 2003, auf der Mid Europe in Schladming, im stolzen Alter von 82 Jahren begeisternd »El Camino Real«, eines seiner Werke, welches längst das Prädikat »Klassiker« trägt und zum gepflegten Standardrepertoire der sinfonischen Blasorchester zählt. Und, das nur am Rande, dieses Werk belegte im Februar den 4. Platz einer spontanen Blasmusikblog-Umfrage zum Thema »Top Ten der sinfonischen Blasmusik«.

Der Komponist: Alfred Reed

Die Wurzeln seiner Familie liegen in Österreich. Als einziger Sohn von Carl und Elizabeth Friedman, die vor dem Ersten Weltkrieg aus Wien in die USA auswanderten, wurde er 1921 in Manhattan geboren. Sein Elternhaus wird als wienerisch geprägt beschrieben. Außerdem verbrachte Alfred viel Zeit bei seinem Onkel in Österreich. Er spielte bereits früh die Trompete und wurde schließlich in den Staaten Trompeter der »29th Army Air Corps Band« und der »Army Air Force Band«. Sein Studium an der »Juilliard School of Music« in New York bei Vittorio Giannini formte ihn zum Komponisten.

Alfred Friedman benutzte den Namen Alfred Reed zunächst nur als Pseudonym, bevor er seinen Namen 1955 offiziell ändern ließ. Er war Arrangeur und Komponist für Rundfunk- und Fernsehsender wie NBC und ABC und lehrte von 1966 bis zu seiner Pensionierung Anfang der 1990er Jahre an der Universität von Miami/Florida. Seine Fächer waren Musiktheorie, Komposition und auch Music Merchandising. Zeitlebens galt er als Kosmopolit, der sich mit Begeisterung immer gerne von den verschiedensten Kulturen inspirieren ließ. Im September 2005 verstarb er in seiner Wahlheimat Florida.

Die Idee zu »El Camino Real«

El Camino Real ist spanisch und bedeutet dem Worte nach: königlicher Weg bzw. Königsweg. Und genau so wurde auch der 970 Kilometer lange historische Weg genannt, der die spanischen Missionsstationen in Kalifornien miteinander verband. Zwischen 1683 und 1834 gründeten spanische Missionare eine Reihe von religiösen Stützpunkten entlang der Küste, immer jeweils einen Tagesritt, etwa 50 Kilometer, voneinander entfernt. Tatsächlich begann der Weg auf der »Baja California« im heutigen Mexiko. Heute wird aber vorwiegend nur das Stück im amerikanischen Bundesland Kalifornien zwischen den Missionen »Mission San Diego de Alcalá« in San Diego und der »Mission San Francisco Solano« in Sonoma so genannt.

Der Weg war übrigens auffallend von leuchtend gelb blühenden Senfpflanzen gesäumt. Der Überlieferung nach hatten die Padres dies durch einen Brauch heraufbeschworen. Sie streuten auf ihren Wanderungen stetig Senfkörner entlang des Weges. Die Komposition entstand Ende 1984/Anfang 1985 und ist von der 581st Air Force Band (AFRES) in Auftrag gegeben worden. Alfred Reed ließ sich inspirieren von spanischer Folklore. So gründet der erste Teil auf einer alten Tanzform, dem »Jota«. Kontrastierend ist der zweite Teil vom »Fandango« bestimmt.

  • 02.05.2016
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 5/2016
  • Seite 16-18

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