Mal konkret... "Deliverance" von Etienne Crausaz

  • 22.12.2015
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 1/2016
  • Seite 14-16

»Mal konkret« widmet sich in diesem dritten Teil dem Werk »Deliverance«, einer Konzertsuite von Etienne Crausaz. »Deliverance« wird Pflichtstück sein für den Deutschen Orchesterwettbewerb (DOW) 2016, Kategorie B2 Jugendblasorchester, sowie Pflichtstück der Oberstufe (Kategorie 4) für 2016 in Baden-Württemberg (BDB/BVBW).

Vorbemerkung: Pflichtstücke für Wettbewerbe

Pflichtstücke für Musikwettbewerbe sind in der Regel immer etwas Besonderes. Warum? Nun ja, eine Kommission hat sie ausgewählt und sie somit quasi geadelt. Und das nicht einfach so, sondern im Idealfall mit Sinn, Verstand und Lust. Pflichtstücke helfen den Musikern einerseits, sich innerhalb von definierten Leistungsstärken und Schwierigkeitsstufen zu orientieren, andererseits schaffen sie aber auch praktikable Vergleichsmöglichkeiten in einem Wettbewerb oder einem Kritikspiel.

Handwerkliche Ausführungen und musikalische Interpretationen am selben Werk mehrfach erleben zu dürfen hilft allen Teilnehmenden (den Orchestern und der Jury), im Miteinander der musikalischen Eindrücke Leistungen anerkennend einordnen zu können.

»Deliverance« – eine Konzertsuite von Etienne Crausaz

Der Komponist

Etienne Crausaz wurde 1981 im Schweizer Kanton Fribourg geboren, studierte Basstuba an der Hochschule für Musik in Bern bei Guy Michel, beschloss seine Studien dort 2006 mit dem Lehrdiplom und 2007 mit dem Konzertdiplom. An der Musikhochschule in Zürich erweiterte er seine Kenntnisse bei Anne Jelle Visser und erhielt 2009 dort sein Solistendiplom.

Sein Fähigkeit zu komponieren entwickelte er rein autodidaktisch. Seine Tonsprache ist verwurzelt in der Tonalität. Konventionelle Studien in Musiktheorie, Harmonielehre, Werkanalyse und Arrangement bilden sein Fundament. Beeinflusst ist er zudem von Filmmusik und Jazz des frühen 20. Jahrhunderts. Dies hält Türen offen für kleine Ausflüge in harmonische Grenzgebiete.

Sein Gesamtwerk umfasst mittlerweile mehr als 70 Werke für Bläser, Chor, Brassband und Blasorchester. Als aktiver Tubist ist er regelmäßig Gast beim Fribourger und Lausanner Chamber Orchestra und er konzertiert mit dem Ensemble »Tubadours«. Zudem unterrichtet er verschiedene Fächer am Conservatoire de Fribourg.

Die Idee hinter »Deliverance«

Eine Suite (frz. Abfolge) ist in der Musik ein Zyklus von unterschiedlichen Instrumentalwerken, die in fester Abfolge musiziert werden. Ausgehend von Renaissance und Frühbarock, wo in der Hauptsache Tänze aneinandergereiht wurden, sind über Klassik, Romantik bis hin zum Jazz immer wieder Suiten entstanden, die als komplexe Werke verwandte wie auch kontrastierende Ideen zu einem großen Ganzen vereinen. Die vier Sätze dieser Konzertsuite sind jeweils mit einer Satzbezeichnung überschrieben, die im Grundsatz den Charakter der absoluten Musik definiert. Der Name des Werks ist »Deliverance«, was allgemein »Befreiung, Erlösung« bedeutet.

Die Konzertsuite »Deliverance« basiert zudem aber auf dem Schauspiel »Deliverance«, welches im Juli 2010 in der Schweizer Stadt Gruyères 13 Mal aufgeführt wurde, konzipiert für Brassband, Chor, Kinderchor, zwei Blockflöten, Akkordeon und rund 70 schauspielende Akteure. Die Geschichte spielt im (fiktiven) Mittelalter und erzählt von einem Dorfbrunnen, der kein Wasser mehr spendet und die Menschen sich mit der Frage auseinandersetzen müssen: »Und was geschieht, wenn das Wasser nicht zurückkommt?«

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