Mal konkret: »Deep Water Night« von Mathias Wehr

»Mal konkret« widmet sich diesmal dem Werk »Deep Water Night« von Mathias Wehr. Die Serie möchte In vergleichsweise wenigen Sätzen ein Stück beschreiben, dabei die Intention des Komponisten ein­beziehen und einen Blick auf die mögliche Reaktion von ausübenden Musikern und aktiv konsumierendem Publikum werfen.

Kompositionswettbewerbe

Zu besonderen Anlässen, zu Jubiläen oder Musikfesten, da gönnt sich die Szene den Reiz des Neuen, des Besonderen, des Persönlichen. Kompositionsaufträge werden vergeben oder gar ein Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Dabei beweist man durchaus gerne etwas Mut und verzichtet auf Vorgaben, die die Komponisten vielleicht zu sehr einschränken könnten. Man steckt einen Rahmen ab und formuliert: Förderung neuer Blasmusikliteratur, Schaffung von Originalliteratur, Förderung (junger) Komponisten.

So geschehen auch zum Landesmusikfest des Volksmusikerbundes NRW im Jahre 2014. Die Jury hatte die Aufgabe, aus einem Dutzend Kompositionen eine kluge Auswahl zu treffen und stand somit – ähnlich wie die Komponisten zuvor – vor der Aufgabe, Bewährtes, Unerwartetes, Innovatives, Skurriles, Kreatives zu erfassen und zu verstehen, um dann nach Abwägung aller Aspekte ein salomonisches Urteil zu fällen, das sich letzten Endes aus einer Mischung aus Herz und Verstand zusammensetzt. Eine der Preisträgerkompositionen war »Deep Water Night« des Nürnberger Komponisten Mathias Wehr, der sich mit einem Kriegsereignis 1943 in NRW auseinandergesetzt hatte.

Der Komponist: Mathias Wehr

Mathias Wehr, geboren 1984 in Schwabach bei Nürnberg, studierte Klarinette an der Hochschule Nürnberg und »Blasorchesterleitung und Instrumentation« am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg bei Prof. Maurice Hamers. Workshops für Dirigieren bei Pierre Kuijpers und Jan Cober, Konzertprojekte mit Jan Van der Roost, Piet Swerts und Ray Farr sowie zahlreiche Gastdirigate im In- und Ausland bereicherten seine Ausbildung.

Mit 23 Jahren gewann er den offiziellen Titel »European Conductor of the Year 2008« bei den 4. European Conductors Championship in Stavanger (Norwegen). Nur ein Jahr später gewann er den Silbernen Taktstock beim World Music Conductors Contest in Kerkrade (Niederlande).

Neben seiner erfolgreichen Dirigententätigkeit ist er zunehmend auch als Komponist tätig. Sein Werk »Infinity« gewann 2011 den internationalen Schönwerth-Kompositionswettbewerb des Nordbayerischen Musikbundes und ist nun in die Wertungsspiel-Empfehlungsliste des Bayerischen Blasmusikverbandes aufgenommen worden. »Das fliegende Kästchen«, ein Kindermusical, wurde 2013 uraufgeführt. Im Jahre 2014 entstand » Deep Water Night«.

Der historische Hintergrund: die Möhnetalkatastrophe

»Dieses Werk widme ich allen Betroffenen der Möhnetalkatastrophe. Möge die Trauer der Hoffnung auf eine bessere Welt weichen.« In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 bombardierte die britische Luftwaffe die Möhnetalsperre nahe Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. Die Staumauer brach, eine Flutwelle ergoss sich ins Ruhrtal und riss mehr als 1200 Menschen in den Tod.

  • 24.02.2016
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 3/2016
  • Seite 14-15

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