Mal konkret... »Azeri« von Betin Günes

  • 24.11.2015
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 12/2015
  • Seite 20-22

Eine neue Reihe könnte das Licht der Welt erblicken. Mit »mal konkret...« möchten wir uns Werken, deren Schöpfern und den Ideen dahinter nähern. Als Vorschlag, als Anregung, als Diskussionsgrundlage. Tipps (nicht nur) für Dirigenten und die Noten zum Mitlesen finden Sie hier.

Vorwort: Blasorchester und türkische Musik

Blasorchester und türkische Musik – gibt es da Anknüpfungspunkte? Hören Türken nur »ihre Musik« und die Freunde der geblasenen Musik auch nur »ihre«? Und was ist das überhaupt: »deine Musik – meine Musik?« Diese Frage stellt sich nicht erst seit gestern. Sie wurde 2010 bereits in der CLARINO angesprochen und immer wieder einmal in der Szene musikalisch aufgegriffen.

Die aktuelle Flüchtlingsproblematik lässt auch diese Fragestellung wieder in einem neuen Licht erscheinen. »Leben wir nicht durchweg Tür an Tür in einem bunten Gemisch der Nationen? Gibt es da neben Problemen nicht auch sehr viele positive Aspekte?« Ja, es gibt eine Menge Probleme. Ja, es gibt auch viele positive Aspekte.

»Eigene Identitäten zu bewahren und zu pflegen ist von prägender Wichtigkeit für jede Nation. Neue Strömungen zu erleben, zu verstehen und anzunehmen aber auch. Integration ist ein derzeit viel strapazierter Begriff. Er wird von der Politik aus guten Gründen, und auch nicht ohne Zweckoptimismus, immer wieder forciert.«

Können Musiker von ihrem Ende der Welt aus etwas dazu beitragen, die Problematik zu entzerren? Sie können als Musiker sicher nicht die humanitären und wirtschaftlichen Probleme lösen, aber über Kunst und Kultur Verkrustungen aufbrechen, Ängste abbauen, Brücken bauen und Hände reichen.

Die Sprache der Musik ist barrierefrei. Sie trifft ins Herz und löst, ganz ohne Worte, Gedanken, Fantasien und Sehnsüchte aus. Vielleicht ein guter Ansatz, um Toleranz, Verständnis und Miteinander besser »begreifen« zu können. Integration ist Dialog. Wer einander zuhört, kann sicher leichter vom »Nebeneinander« zum »Miteinander« finden.

Der Komponist: Betin Günes

Betin Günes wurde 1957 in Istanbul geboren. Nach Besuch von Konservatorium und Musikhochschule absolvierte er 1979 sein Konzertexamen im Fach Klavier bei Prof. J. Uluğ mit Auszeichnung, ein Jahr später sein Examen in Komposition bei Prof. I. Usmanbaş. Danach zog es ihn nach Köln. Er erhielt an der dortigen Musikhochschule sein Diplom in Komposition bei Prof. J. Blume und sein Diplom in Dirigieren bei Prof. G. Fork. Ergänzend absolvierte er ein Studium im Fach elektronische Musik bei Prof. U. Humpert. Fasziniert von der Klangfarbe der Bläser betrieb er Posaunenstudien bei Prof. Branimir Slokar.

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