Mal konkret: »Absolute Crossover« von Otto M. Schwarz

Otto M. Schwarz. Foto: KulturserviceLink – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Ein Blasorchester ist stilistisch immer gerne mannigfaltig unterwegs. Dieser Umstand ist gleichermaßen Segen wie auch Fluch. Ja, wir verlangen Vielseitigkeit von uns und das ist auch gut so. Aber beschleicht uns dabei nicht auch gelegentlich der Verdacht, wir könnten Gefahr laufen, uns hier und da ein wenig zu »verzetteln« – sei es im Bereich der Sinfonik, der Unterhaltungsmusik oder der Folklore?

Wir haben Ehrgeiz und verfolgen viele Ziele. Wir suchen die Publikumsgunst, ehren die Kunst und pflegen das Brauchtum. Und bitte nicht vergessen: Wir dürfen und müssen auch Spaß haben. Ist es nicht wichtig, sich auch einmal reinen Herzens einfachen Freuden hinzugeben?

Unser seriöses Streben im Spannungsfeld von Tradition und Weiterentwicklung ist eine ständige Herausforderung. Über Geschmack lässt sich dabei sicher lustvoll und sehr subjektiv streiten. Über das Handwerk kann man eher objektiver urteilen. Die Lust, Dinge auszuprobieren, entzieht sich allerdings solchen Kriterien.

Der Komponist Otto M. Schwarz

Geboren 1967 in Neunkirchen (Niederösterreich), war die Musikschule Wimpassing in Sachen Musik wohl seine erste Anlaufstation. Sein Studium der Musikpädagogik absolvierte er an der Musikhochschule Wien. Trompete und Tonsatz waren dabei seine Schwerpunkte.

Otto M. Schwarz war Mitglied der Militärmusik Burgenland, kam als Musiklehrer an die Musikschule Wimpassing zurück und leitete dort auch die Jugendkapelle. Im Sommer 2018 legte er nach 30 Jahren als Dirigent sein Amt beim Sinfonischen Blasorchester Wimpassing nieder. Seine internationalen Aktivitäten als Komponist und Dirigent lassen dafür keinen rechten Raum mehr.

Schwarz’ große Liebe galt zunächst wohl eher der Popmusik. Er hatte schon früh sein eigenes Tonstudio, in dem er fleißig experimentierte und produzierte. Vom Österreichischen Komponistenbund erhielt er 1989 einen Preis für seinen Titel »Der Weg der Freiheit«, ein Beitrag zur Vorausscheidung des damaligen European Song Contest.

Auf seiner Webseite nimmt auch heute der Bereich »Filmmusik« einen großen Raum ein. Hier arbeitete er, bis 2014 ausgewiesen, hauptsächlich in der deutschsprachigen Filmwelt. Als Komponist war und ist er also nicht ausschließlich in der sinfonischen Blasmusik unterwegs.

Seit 1995 veröffentlicht er aber zunehmend Werke für großes Blasorchester. Dabei ist er aber nicht auf der konservativen Schiene unterwegs. Er verbindet auf seine eigene Art und Weise die Möglichkeiten des Klangkörpers Blasorchester mit seinen von der Popmusik geprägten und oft sehr bildhaften Ideen.

Seinen Werken liegen häufig Geschichten zugrunde, die er mit rein akustischen Mitteln erzählen möchte – quasi Musik für einen (Ohren-)Film ohne Bilder. 2013 erfüllte er sich einen weiteren Traum. Er nennt das auf seiner Homepage die »S«-Klasse: Die CD-Produktion »Symphonic Dimensions« präsentiert einige seiner Kompositionen in der Klangdimension eines großen Sinfonieorchesters.

Die Idee zu »Absolute Crossover«

»Absolute Crossover« möchte unterschiedliche Besetzungsformen vereinen und dementsprechend die Möglichkeit nutzen, unterschiedliche Stile in Szene zu setzen. Im Untertitel steht »for Concert Band and integrated Big Band«, was darauf hinweist, dass man nicht zwingend mit zwei räumlich getrennten Ensembles aufwarten muss.

Im »Großen Blasorchester« ist die Bläsergruppe der Bigband in der Regel komplett vertreten. Den dazugehörigen Kollegen der Rhythmusgruppe müsste zudem Beachtung geschenkt werden. Im Stilmix sollen dem »reinen« Blasorchester eher Elemente sinfonisch orientierter Filmmusik zugeordnet werden, Elemente aus Rock und Swing werden vornehmlich von der »Bigband-Fraktion« bedient. Der Plan verspricht eine aufregende Mischung.

  • 21.06.2019
  • Praxis
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 5/2019
  • Seite 16-17

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