Mahler und die Blasmusik - (2) Einflüsse auf verschiedene Kompositionen und Komponisten

  • 21.09.2011
  • Historisches
  • Jörg Murschinski
  • Ausgabe: 7-8/2010
  • Seite 12-14

Auch wenn Gustav Mahler zum Repertoire des Blasorchesters nichts Wesentliches beigetragen hat (sieht man einmal ab vom Orchesterlied »Um Mitternacht«, einem der »Rückert-Lieder«, das nur für die Bläsergruppe eines Sinfonieorchesters sowie Pauken, Harfen und Klavier instrumentiert ist), hatte die Blasmusik für ihn und sein Schaffen doch eine Bedeutung. Und auch umgekehrt – Mahlers Geist ist in mehr Blasorchesterkompositionen und auf vielfältigere Art und Weise nachzuweisen, als man zunächst vermuten würde.

Dass sich Spuren von Mahlers Tonsprache in anderen Kompositionen finden lassen, verwundert nicht. Denn spätestens seit Dirigenten wie Willem Mengelberg, Otto Klemperer, Bruno Walter und später Leonard Bernstein Mahlers Werke im Sinfonieorchesterrepertoire etabliert hatten, rückten sie auch in den Fokus angehender und bereits arrivierter Komponisten. Das Studium der Mahler’schen Kompositionen wurde geradezu zur Pflicht, waren doch vor allem seine innovative Instrumentationstechnik und sein Sinn für dramatische orchestrale Effekte beispielhaft und viel gerühmt. Mit der Zeit floss einiges von Mahlers ursprünglicher Musiksprache in den großen Fundus der allgemein anerkannten Stil- bzw. Ausdrucksmittel des Kompositionshandwerks und wurde somit auch von zahlreichen anderen Komponisten verwendet. Ähnliches war auch schon in den Generationen zuvor geschehen, wie an Mahlers eigenen Werken zu sehen ist. Schließlich könnte man etwa die Imitationen von Naturlauten in seinen Sinfonien (der Kuckuck in der I. bzw. die Vogelstimmen in der II. Sinfonie) – zumindest was die Instrumentation und die prinzipielle technische Ausführung betrifft – leicht auf das »Waldweben« in Richard Wagners »Siegfried«, auf Beethovens »Pastorale« oder noch früher entstandene, andere Kompositionen zurückführen.


« zurück