Machen Kleider Leute? Tubist Andreas Martin Hofmeir über Etikette, Bühnenpräsenz und musikalische Qualität

Foto: Thermenhotel Ronacher

Andreas Martin Hofmeir kennt so ziemlich alles, weil er mit seiner Tuba so ziemlich alles schon gemacht hat: Popmusik mit LaBrassBanda, Blasmusik, Klassik mit dem Linzer Brucknerorchester, Duette mit Harfe, Geige und Orgel und natürlich Kabarett.

Er kennt die Bedeutung von Bühnenpräsenz in den jeweiligen Genres. Er weiß auch, dass Optik nicht zweitrangig ist – wenngleich er sich bisweilen wünscht, dass es so wäre...

Präsenz auf der Bühne 

Die Präsenz bwz. die Bühnenpräsenz, so erklärt es das Lexikon, bezeichnet die vom Publikum wahrgenommene und gespürte aktive Ausstrahlung einer Person auf der Bühne. Ist jemand »präsent«, dann ist man als Person für die Zuschauer auffällig anwesend und gegenwärtig.

Bei Schauspielern etwa sind die wichtigsten Bestandteile die Körpersprache, die Stimme und das »Zentrieren der Energie«. Der Ausdruck und die Bewegung des Körpers sind zielgerichtet, klar, authentisch. Die Stimme erklingt angemessen in Tempo, Lautstärke, Ausdruck und Klangfarbe.

Und als Protagonist sollte ich jeden Moment konzentriert und zielgerichtet spielen und auf der Bühne »sichtbar« sein. Fehlende Präsenz auf der anderen Seite bedeutet entsprechend, dass bestimmte Dinge bewusst oder auch unbewusst wahrgenommen werden: Passivität, Unklarheit, Unsicherheit, Energiearmut, Bemühtheit, Nervosität, gebeugte und schlaffe Körperhaltung.

Sind Musiker Schauspieler?

In diesem Sinne sind sich Musiker und Schauspieler durchaus ähnlich. Vielleicht sind Musiker gar auch Schauspieler? Auf jeden Fall sind Körpersprache, Stimme und Energie Attribute, die auf den Zuhörer wirken. Bühnenpräsenz ist also im Idealfall etwas, was die »Ausstrahlung« eines Künstlers auf das Publikum trägt.

Und da aber Zuhörer in der Regel auch Zuschauer sind, ist die Optik nicht zweitrangig. Konzerte sind meist audiovisuell. Das Outfit spielt eine nicht unerhebliche Rolle – auch für die Bühnenpräsenz. Das trifft etwa auf Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten genauso zu wie auf die Berliner Philharmoniker oder etwa die Beatles. Der »Look« schafft eine Atmosphäre – gewollt oder ungewollt.

Wir sprachen mit dem Tubisten Andreas Martin Hofmeir über Etikette, Bühnenpräsenz und musikalische Qualität. 

  • 21.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2019
  • Seite 38-39

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