Luis Serrano Alarcón - lässt lieber die Musik sprechen

  • 20.09.2012
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2012
  • Seite 12-15

Den Ritterschlag bekam er im Frühjahr dieseS Jahres von Blasmusik-Koryphäe Tim Reynish aus England, der auf seiner Homepage schreibt: »Heutzutage ist Luis Serrano Alarcón einer der bedeutendsten spanischen Komponisten.« Und er steigert sich noch: »Ich habe keine Zweifel, dass Luis einer der wichtigsten Komponisten für das Blasorchester von heute ist.«

Großes Lob kommt von der Insel. Und Tim Reynish hat zweifellos Ahnung von der Materie. Wie kommt es aber, dass der Name Luis Serrano Alarcón in unseren Breitengraden bzw. in Deutschland so selten auftaucht? Wieso wird dessen Musik so wenig gespielt? Der Dirigent Rainer Kropf hat da eine Erklärung. Kropf ist musikalischer Leiter der Stadtkapelle Blaubeuren und seit seiner Masterarbeit bei Felix Hauswirth, die Alarcóns Werk »Memorias de un hom­bre de ciudad« zum Thema hatte, mit dem Spanier gut befreundet. »Viele Dirigenten kennen Luis’ Musik nicht, denn er ist kein Komponist, der sozusagen am Fließband arbeitet und sich so ins Bewusstsein drängt.« Völlig neue und unbekannte Musik zu erarbeiten – möglicherweise sogar ohne Mustereinspielung –, bedeute eben auch einen enormen Zeitaufwand. »Für einen Amateurdirigenten ist das nicht ohne«, äußert Kropf Verständnis für die Kollegen. 

Dass Alarcóns Werke nicht öfter gespielt werden, liegt allerdings auch daran, dass die Zahl derer, die sie spielen könnten, überschaubar ist. Denn »leicht« ist kein ­Attribut, dass auf die Werke des 40-Jährigen passen würde. Der Autodidakt schreibt logischerweise zum großen Teil für den Klangkörper, den er kennt bzw. für die Besetzung, mit der er aufgewachsen ist. Spanische Bandas sind – so der äußere Eindruck – riesig. Es ist keine Seltenheit, dass sich auf den iberischen Bühnen über 100 Musikerinnen und Musiker tummeln. Zwar bedeutet Masse nicht automatisch Klasse, doch die Spanier wissen meist, was zu tun ist. Ins Auge fällt, dass zur gewöhnlichen Banda-Besetzung Celli gehören. 

Infos: www.serranoalarcon.com

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