Leser fragen, Dirko Juchem antwortet

  • 22.05.2012
  • Praxis
  • Dirko Juchem
  • Ausgabe: 6/2012
  • Seite 12-14

Seit Januar haben die Clarino-Leser die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an einen routinierten Saxofon-Profi zu stellen. Mit seiner Erfahrung als Live- und Studiomusiker (Rolf Zuckowski, Thomas Anders und Barbara Dennerlein), aber auch als Autor zahlreicher erfolgreicher Saxofonbücher und Mitspielhefte (Saxophon spielen – mein schönstes Hobby, Schott), hat Dirko Juchem zu vielen Fragen die passende Antwort. heute meldet sich Sandra D. aus Siegen.

Hallo Dirko,

Ich habe ein Problem mit meinem Alt-Saxofon. Alles was über dem hohen G ist, ist zu hoch und klingt quatschig…

Wenn man ganze Noten spielt, kann man dann ja noch was evtl. mit der Mundstellung ausgleichen, aber wenn man Achtel spielt, geht das schlecht. Ich habe das Mundstück gewechselt, verschiedene Blättchen ausprobiert, nix hilft. Was mache ich falsch? Die in unserem Verein sagen, ich soll dann leise spielen. Besonders schlimm ist es beim laut spielen. Und ich habe die Posaunen hinter mir und höre das nicht. Ich kann doch nicht alles immer nur mit dem Mund korrigieren, das ist ja auch nicht Sinn und Zweck oder?

Ich habe mich zu Hause auch schon mit dem Stimm­gerät hingesetzt, aber da bin ich ja nur am korrigieren: Kiefer locker lassen, Kiefer anspannen. Da hab ich ja nach 5 Minuten Muskelkater. Meinst du, das liegt am Instrument oder mache ich was falsch? Müsste ich bei den hohen Tönen einfach den Kiefer locker lassen und fallen lassen?

Ich weiß, eine Ferndiagnose ist immer schwierig. Aber du bist der Profi. Ich habe ein Gulf Saxophon, das habe ich mir vor drei Jahren auf der Musikmesse in Frankfurt gekauft, war nicht billig, ein Nachbau von Selmer glaub ich. Ich habe ein Vandoren Mundstück und Rico 2 1/2 Blättchen.

Ich hoffe, ich konnte mein Problem gut verständlich erklären. Über eine Antwort würde ich mich echt freuen. Wenn du mal wieder einen Workshop machst, wär ich gern wieder dabei.

Liebe Grüße,

Sandra aus Siegen

Hallo Sandra,

da hast du leider ein echtes Problem und wenn man versucht und versucht und man hat dabei das Gefühl, dass es nicht besser wird, könnte man schon die Flinte (bzw. das Sax) ins Korn werfen. Deshalb ist es schon mal gut, dass du nicht aufgibst – weiter­ so.

Wie du schon sagst, ist es oft schwierig, eine Ferndiagnose zu stellen und leider besonders schwierig, wenn es um ein solch komplexes Thema wie Intonation geht. Gerade bei der Stimmung kann der Fehler nahezu überall liegen: Saxofon, die Kombination von Mundstück und Blatt, oder natürlich auch beim Spieler, also bei dir.

Du solltest unbedingt als allererstes überprüfen, ob das Problem bei deinem Equipment liegt oder bei dir. Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn du an dir selber zweifelst und sich nachher herausstellt, dass dein Saxofon einen Fehler hat. Genauso fatal wäre es umgekehrt, wenn du die Schuld auf dein Horn schiebst, aber im Grunde womöglich massive Ansatzprobleme hast. Deshalb sollten wir die einzelnen Punkte mal durchgehen.

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