Leser fragen, Dirko Juchem antwortet

Hier und heute geht es um ein eher schwieriges Thema, das aber die meisten SaxoFonisten beschäftigen dürfte: das Tuning bzw. die Intonation. Schwierig deshalb, weil man zunächst einmal herausfinden muss, wo das Problem liegt: am Sax, am Mundstück, oder vielleicht doch an demjenigen, der hineinbläst?

Sehr geehrter Herr Juchem,

ich spiele mit einigen Leuten in einem kleinen Ensemble. Wenn wir gemeinsam musizieren, dann habe ich immer Schwierigkeiten, mein Saxofon zum Stimmen zu kriegen. Dann ist es plötzlich zu hoch – stimme ich es dann tiefer, ist es plötzlich zu tief. Ich könnte verzweifeln! Wenn ich zuhause übe, dann habe ich diese Probleme nicht. Können Sie mir helfen?

Sehr geehrte Daniela Bachmann,

oh, das kann ich nachfühlen – da kann man wirklich verzweifeln… Das Schwierige an diesem Thema ist, dass Schwierigkeiten in der Intonation ganz viele Ursachen haben können und man nicht so leicht sagen kann, wo genau das Problem liegt:

  1. Liegt es am Umfeld?
  2. Liegt es am Saxofon oder am Mundstück?
  3. Oder liegt es vielleicht an Ihnen?

Gehen wir die Punkte einmal durch.

Das Umfeld

Spielen im Ensemble: Sie sagen, die Pro­bleme fallen Ihnen besonders im Zusammenspiel mit Ihrem Ensemble auf. Bevor wir den Fehler bei uns selber suchen, sollten wir ausschließen, dass das Problem womög­lich beim Ensemble liegt. 

Spielt Ihr Pianist womöglich an einem nicht ganz richtig gestimmten Klavier? Nach einiger Zeit gibt die Stimmung am Klavier ­etwas nach und wird insgesamt etwas tiefer. Auch wenn man dann den Eindruck hat, das Klavier stimmt ja noch einigermaßen »in sich«, so ist es dennoch insgesamt zu tief. Übrigens neigen auch viele Akkor­deons dazu, relativ tief zu stimmen.

Oder spielen Sie mit Streichern? Diese neigen gerne mal dazu, ihr Instrument etwas höher einzustimmen. Ich habe in manchen Orchestern erlebt, dass die Streicher so hoch gestimmt hatten, dass ich mit meinem Saxofon kaum noch mitkam.

Die Saxofone sind so gebaut, dass sie normalerweise sehr gut bei einem Stimmton von A = 440 Hz stimmen. Spielen wir aber jetzt zum Beispiel zu einem Klavier, das zu tief eingestimmt ist, oder zu Streichern, die zu hoch stimmen, können wir das Saxofon womöglich da noch »hinbiegen« (Sie wissen ja sicherlich: Mundstück weiter rein = höher / Mundstück etwas raus = tiefer), aber unser Saxofon stimmt dann in sich nicht mehr richtig, weil sich durch das ex­treme Stimmen (zu hoch oder zu tief) die Verhältnisse zueinander verändert haben.

 

  • 20.03.2012
  • Praxis
  • Dirko Juchem
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 12-14

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