Leise und feminin, laut und männlich - Katrin Heller über die Flöte

  • 28.01.2015
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2015
  • Seite 12-15

 

»Die Flöte ist ein sehr flexibles Instrument«, sagt Katrin Heller. Genregrenzen kennt die Flötistin eigentlich keine. Klassik, Jazz, Rock – alles geht. Wir sprachen mit der Musikerin über ­Charaktereigenschaften, Übe­mo­tivation und Brasilien.

 

 

Eines Ihrer Ensembles heißt »Flûtes ­Fatales«. Man denkt unweigerlich an »Femmes fatales«. Ich vermute, das ist beabsichtigt? Was zeichnet den Charakter einer Flöte aus? Und welche Charaktereigenschaften treffen auch auf Sie zu?

Grundsätzlich ist es nicht leicht, überhaupt einen Namen für ein neu gegründetes ­Ensemble zu finden. Schließlich treffen unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinander.

Unser Flötenquartett besteht aus vier Frauen. Ende des Jahres 2011 haben wir uns zusammengefunden, und nachdem wir gemerkt haben, dass wir gut harmonieren, entsprechend nach einem Ensemblenamen gesucht. Dieser Prozess dauerte dann ei­nige Wochen. Üblicherweise filtert man aus ungefähr zehn Vorschlägen drei Favo­riten heraus, läuft mit diesen Namen wochenlang »schwanger« umher, um dann auf einmal einen bisher noch nicht genannten Ensemblenamen, nämlich Flûtes Fatales«, zu ­finden, dem dann sofort alle Ensemble­mitglieder einstimmig zustimmen.

Ja, der Rückschluss auf »Femmes Fatales« liegt natürlich nahe. Schließlich besteht das Flötenquartett ja nur aus Frauen, die mit inzwischen elf Flöten Musik machen möchten. Neben dem, dass wir alle das gleiche Geschlecht haben, gibt es auch sonst einige fatale Ähnlichkeiten: ungefähr gleiches Alter und frappierend ähnliche Körpergröße. Fatal also! Wir mögen gerne moderne Musik, sind dabei grenzüberschreitend in den Genres, mögen das Unkonventionelle und experimentieren gerne. Ein Programm nur mit reiner Musik gibt es nicht bei »Flûtes Fatales«. Wir möchten auch unterhalten.

 

 

Die Charaktereigenschaften einer Querflöte: Die nächstliegende Eigenschaft, die mir dazu einfällt, wäre »lieblich«. Wobei ich diesen Begriff nicht wirklich mag. Man ­assoziiert damit auch gerne die Eigenschaft »brav«. Vielleicht trifft »lyrisch« die Eigenschaften der Flöte besser. Man sagt der Flöte auch nach, dass sie die Sängerin unter den Blasinstrumenten ist. Dem Gesang fühle ich mich tatsächlich auch sehr verbunden. Wenn man eine Phrase singen (oder sie sich zumindest vorstellen) kann, wird sie auch musikalisch.

Aber die Flöte bietet viel mehr Eigenschaften. Die Querflöte ist nicht nur leise, lyrisch und feminin, sie ist auch laut, provozierend, rockig und männlich. Letztendlich geht es darum, als Musiker seine eigene Sprache zu finden. Das Instrument ist für mich nur ­Mittel zum Zweck. Es gilt alle Grenzen und Möglichkeiten auszuloten, um das aus­drücken zu können, was mir wichtig ist. Es gab aber auch eine Zeit, da hätte ich mir gewünscht, Trompete zu spielen, weil ich das Gefühl hatte, die Flöte bietet mir nicht genug Volumen. Ich habe dann aber gelernt, mich als Klangkörper zu öffnen und somit das Klangvolumen zu vergrößern. Ich fühle mich mit jeder Eigenschaft meines Instruments verbunden, natürlich abhängig von meiner Tagesform.

 

 

 

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