Lee Mayall - Den Spaß darf man nie verlieren

Der Blues wurde Lee Mayall in die Wiege gelegt. Kein Wunder, bei dem Onkel. Denn das ist John Mayall, »Vater des britischen Blues«. Lee wuchs Auf umgeben von Stars wie Eric Clapton oder Manfred Mann. Der Neffe war neben eigenen Projekten auch schon mit Xavier Naidoo unterwegs.

CLARINO: Laut oder leise?

Lee Mayall: Beides. Lauter, wenn ich ge­rade mehr Funk oder Pop spiele. Die souligen Dinge sind meistens lauter, denn da habe ich Schlagzeug, Gitarre, eine ganze Band dabei. Leise spiele ich vor allem unplugged. Das spiele ich auch sehr viel. Und ich habe gelernt, auch die ganz hohen Flageolett-Töne ganz leise zu spielen. Damit sie nicht weh tun.

Individual- oder Mannschaftssport?

Ich sage immer: »Man kann nie alleine gewinnen.« Natürlich heißt es: »Lee Mayall kommt.« Meine Soli kann ich alleine spielen und ich bin bekannt dafür, dass ich auf den Tischen oder auf der Bar stehe, auf dem Rücken liege. Aber ohne die Jungs kann ich das nicht. Playback kommt immer blöd. Die benutze ich nur bei Workshops. 

Didaktik oder Autodidaktik?

Am Anfang habe ich Unterricht gehabt. Ich habe mit acht Jahren angefangen, Klarinette zu spielen. Ich war auf einem Gymnasium, das einen Musikzug hatte. Da war ein »typisch klassisches« Instrument Pflicht. In den 1980er Jahren war das Saxofon als »klassisches« Instrument noch nicht so angesehen. Das Saxofon habe ich dann mit elf Jahren erlernt. 

Ich habe dann damals meinen Onkel in London bei einer Session getroffen und hatte mein Saxofon dabei. Mein Onkel meinte: »Get your horn. Let’s have a ses­sion. Join us!« Und bei mir ging gar nichts. Weil ich nur Noten konnte. Ich hatte nie versucht, nach Gehör zu spielen. Und da­rum geht es ja beim Rock ’n’ Roll, beim Blues, beim Soul. Denn die Musik muss von Herzen kommen. Oder von noch tiefer. Erst als ich der Musik meinen Stempel aufdrücken konnte und von den Noten weg kam, hatte ich richtig Spaß. Nach dem London-Besuch war ich erst einmal richtig deprimiert. Und dann habe ich angefangen, Musik bewusst zu hören und Soli nachzuspielen. 

Infos: www.lee-mayall.com

  • 20.03.2012
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 44-45

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