Kunst oder Handwerk? - Konzepte zur Musikvermittlung und Konzertpädagogik (6)

  • 20.03.2012
  • Praxis
  • Jürgen K. Groh
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 24-25

Ist eine gelungene Konzertmoderation nun »Kunst oder Handwerk?« Oder wurde die Frage falsch gestellt, besonders dann, wenn das Wort »oder« im Sinne der klassischen Logik in seiner Funktion als »exklu­sives oder« verwendet wird, da zur Kunst immer eine handwerkliche und zum Handwerk eine künstlerische Komponente gehört? Im sechsten Teil der Serie geht es um Stimmliche Ausführung und Körpersprache – Pronuntiatio und Actio.

Wird also der systemische Zusammenhang durch ein im Rahmen dieser sechsteiligen Serie aus vielen Blickwinkeln beleuchtetes »sowohl als auch« bestätigt? Betrachten wir die Schritte, die zur Vorbereitung ­einer Moderation benötigt werden, so möchte man mit Blick auf Goethes Faust sagen: »Wer immer strebend sich bemüht« – dem gelingt auch eine Moderation, oder direkter ausgedrückt: eine Konzertmoderation fällt nicht vom Himmel, sondern ­bedarf dreier Dinge: Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung.

Nach Orientierung (Intellectio), Inhaltsauswahl (Inventio), Inhaltsgliederung (Dispositio), Wortwahl (Elocutio) und dem Ein­prägen der Moderation (Memoria) steht der Auftritt vor dem Publikum bevor (Pronuntiatio und Actio). Deshalb werden im letzten Teil der Serie über Konzertmoderation die zwei wesentlichen Dinge betrachtet, die dafür wichtig sind:

  • Einsatz der Stimme (Artikulation und betontes Vortragen)
  • Körpersprache

Artikulationsübungen

Wenn Sie ein umfangreiches Sprach­training machen wollen, können Sie zum Beispiel Einzelcoachings oder verschiedene Workshops bei Logopäden oder Sprechtrainern buchen. Eine Verbesserung Ihrer Aussprache gelingt allerdings auch mit den hier vorgestellten Artikulationsübungen, die zur Zeit Alexanders des Großen schon dem berühmten Demosthenes (384 bis 322 v. Chr.) zu einer deutlicheren Aussprache verhalfen.

Es wird berichtet, dass Demosthenes in seiner Jugend noch eine schwache Stimme und eine undeutliche Aussprache hatte. Zu einem der einflussreichsten Rhetoren der athenischen Demokratie wurde er durch Übungen, die in abgewandelter Form auch heute noch ihren Zweck erfüllen. So machte er Sprechübungen im raschen Lauf bergan oder deklamierte lange Texte mit Kieselsteinen im Mund.

 

« zurück