Kunst oder Handwerk? - Konzepte zur Musikvermittlung und Konzertpädagogik (4)

  • 17.01.2012
  • Praxis
  • Jürgen K. Groh
  • Ausgabe: 2/2012
  • Seite 16-17

»Es trägt Verstand und rechter Sinn Mit wenig Kunst sich selber vor; Und wenn’s Euch Ernst ist, was zu sagen, Ist’s nötig, Worten nachzujagen?«, lässt der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe seinen Faust im ersten Teil der gleichnamigen Tragödie zum Famulus Wagner sagen. Im vierten Teil der Serie »Konzertmoderation« geht es um Wortwahl und sprachlichen Ausdruck – Elocutio.

Faust baut darauf, dass ein Redner, der wirklich etwas zu sagen hat, alleine aus seinem Verstand und seiner inneren Anteilnahme heraus die rechten Worte finden wird, in denen sich Wissen und Leidenschaft vereinen. Wobei Goethe auch die emotionale Betei­ligung herausstellt, denn er schreibt weiter: »Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen, wenn es euch nicht von Herzen geht.«

Das vielleicht bedeutendste und meistzitierte Werk der deutschen Literatur wurde vor etwa 200 Jahren veröffentlicht. Im gleichen Jahr, in dem drei Sinfonien Beethovens uraufgeführt wurden. Damals gab es wohl noch die durch den Geniegedanken verbreitete Auffassung, dass begabte und von einer Sache begeisterte Menschen diese auch intuitiv richtig vermitteln. Wir haben es hier mit der optimistischen Annahme zu tun, dass bei begabten Rednern der Inhalt einer Rede und die Art und Weise, wie sie gehalten wird, zusammenklingen und dass damit ein vernünftiger Sachverhalt durch sich selbst überzeugt.

 

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