Künstlerfreundschaft: Ernst Ludwig Leitner und Hansjörg Angerer

Leitner (links) und Angerer verbindet eine Künstlerfreundschaft. Foto: Franz Neumayr

»Ich bin Rentner«, sagt der emeritierte Universitätsprofessor Ernst Ludwig Leitner und leitet das Treffen lachend ein, als man sich für sein Kommen bedankt. Um Künstlerfreundschaften soll es gehen, um eine ganz besondere in diesem Fall.

Zum 75. Geburtstag des Komponisten hat ihm der Dirigent Hansjörg Angerer ein spezielles Geschenk gemacht – eine stattliche Box, bestehend aus sechs CDs mit Werken Leitners. Und die Box ist ein erstaunliches und bemerkenswertes Zeugnis dieser mittlerweile fast zwei Jahrzehnte andauernden Zusammenarbeit.

Ein extrovertierter Dirigent und ein introvertierter Komponist

Hotel Sacher Salzburg, unweit des Arbeitsplatzes »Mozarteum« von Hansjörg Angerer. Ernst Ludwig Leitner kommt zögerlich, fast schon schüchtern herein, schaut sich suchend um. Kurz darauf folgt Hansjörg Angerer, wie man ihn kennt. Mit offenem Mantel, wehenden Haaren und das Mobiltelefon am Ohr, rauscht er selbstbewusst und zielstrebig geradewegs an der Rezeption vorbei ins Restaurant.

Hansjörg Angerer ist sofort bei der Sache, die Belegschaft des Hotel Sacher verfällt in hektische Betriebsamkeit. Ein ruhiges Plätzchen abseits der frühstückenden Hausgäste wird vorbereitet, Wasser und koffeinhaltige Getränke sind schnell geordert.

Angerer legt die Fingerspitzen aneinander, sitzt geradezu auf der Stuhlkante, um die Frage des Gegenübers schnellstmöglich und nachdrücklich beantworten zu können. Leitner hingegen wirkt fast schon gemütlich. Er lässt die Fragen lieber noch zwei bis drei Sekunden sacken, bevor er durchaus ausschweifendantwortet.

Es wird deutlich: Hier der akribische und extrovertierte Dirigent, der tausend Ideen im Kopf hat, die er mit seiner Bläserphilharmonie noch umsetzen will, für die er immer irgendwie zu wenig Zeit hat und dem das alles nicht schnell genug zu gehen scheint.

Dort der eher introvertierte Komponist, der tausend Ideen im Kopf hat, die er noch zu Papier bringen will, für die er immer irgendwie zu wenig Zeit hat und der weiß, dass gut Ding Weile haben will.

Österreichische Komponisten

»Wir kennen uns lange!«, holt Hansjörg Angerer aus. »Als die Bläserphilharmonie damals 2002 hier in Salzburg am Mozarteum gegründet und ich deren Chefdirigent wurde, war es mir wichtig, dass auch österreichische Komponisten für das Orchester schreiben!«

Ganz pragmatisch war der Chefdirigent an seine eigenen Vorgaben herangegangen: »Welche Komponisten haben wir denn im eigenen Haus?« Relativ schnell sei der Name Ernst Ludwig Leitner gefallen.

  • 21.06.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2019
  • Seite 42-45

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