Kompositionen von Franz Liszt für Posaune

Franz Liszt (Foto: Franz Seraph Hanfstaengl - Gemeinfrei)

Bei »The Hardie Press« in Großbritannien ist eine bemerkenswert Ausgabe erschienen: eine Ausgabe der Stücke, die Franz Liszt für Posaune mit Klavier- oder Orgelbegleitung geschrieben hat. Wenn man das Renommee des Komponisten in Erwägung zieht, handelt es sich um einen denkwürdigen Beitrag zur nicht gerade ausschweifenden Posaunenliteratur.

Die Posaune im Wandel der Zeit

Die Posaune, wie wir sie heute kennen, ist eines der ältesten und vielseitigsten Instrumente in der abendländischen Musikgeschichte. Seit der einfach anmutenden, doch revolutionären Erfindung ihrer U­Zugvorrichtung – entwickelt aus der primitiven, teleskopartigen Mechanik der S­förmigen Zugtrompete – wohl irgendwann in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, hat sich an ihr prinzipiell nichts verändert, abgesehen von den zu ihrer Herstellung verwendeten Legierungen, ihrer Mensur und nur geringfügigen mechanischen Verbesserungen. 

Sie spielt eine tragende Rolle in der klassischen Musik, in der Blasmusik, in folkloristischen Traditionen, aber auch im Jazz, in der Bigband wie auch in anderen Tanzmusik­Formationen. Doch muss man ebenso ihre bemerkenswerte Stellung zwischen Vokal­ und Instrumentalmusik erwägen. 

In der Tat, schon ihre Entstehung in der Frührenaissance als voll chromatisches Instrument wird häufig damit begründet, dass sie in Motetten den fundamentalen vokalen Part (»Tenor«) verstärken oder gar ganz übernehmen sollte. 

Gerade der besonderen Nähe ihres Klangs zur menschlichen Stimme ist auch zuzuschreiben, dass sie in geistlichen Werken des Barock, der Wiener Klassik und auch der Romantik gewöhnlich den Chor verdoppelt. 

Die Posaune im Ensemble und als Solo-Instrument

Wenige Instrumente klingen im Ensemble so stimmig wie die Posaune; ihr majestätischer und sakraler Klang konnte mithin sowohl in der Kirchenmusik als auch in der Oper eine sehr gute Verwendung finden. Im Gegensatz zur heraldischen, auch technisch agileren Trompete wurde sie stets vornehmlich wegen ihres feierlichen Timbres geschätzt: eine Besonderheit, mit der sich auch die großen Instrumentationslehrer Hector Berlioz und Richard Strauss ausgiebig beschäftigen sollten.

Als Solo­Instrument tritt die Posaune im Repertoire hingegen eher selten in Erscheinung; die wenigen Einzelfälle wie das »Tuba mirum« in Mozarts »Requiem« müssen als Ausnahme gelten. Zwar gibt es seit der Wiener Klassik immer wieder auch Posaunenkonzerte, aber die erweisen sich in Konzertveranstaltungen als recht peripher; und während die noch im 18. Jahrhundert entstandenen Kompositionen von Georg Christoph Wagenseil, Johann Georg Albrechtsberger oder auch Leopold Mozart musikalisch als durchaus wertvoll angesehen werden müssen, sind die in der Folgezeit geschriebenen Stücke eher problematisch.

  • 25.06.2019
  • Praxis
  • Johann Herczog
  • Ausgabe: 6/2019
  • Seite 18-19

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