Komponist Michael F. P. Huber: Auftragskomposition für die Innsbrucker Promenadenkonzerte

Foto: Peter Unterthurner

Eine der renommiertesten und musikalisch bemerkenswertesten Veranstaltungen »unter freiem Himmel« sind die Innsbrucker Promenadenkonzerte, die in diesem Jahr zum 25. Mal stattfinden. Aus diesem Anlass hat der musikalische Leiter Alois Schöpf nun eine Auftragskomposition vergeben. Das Werk wird am 23. Juli vom Musikkorps der Bundeswehr uraufgeführt. Wir sprachen mit dem Komponisten Michael F.P. Huber.

Wie ist es zu dem Auftrag durch die Innsbrucker Promenadenkonzerte gekommen?

Soweit ich weiß, ist der künstlerische Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte ein fleißiger Besucher der Sinfoniekonzerte unseres Orchesters in Innsbruck. Bei dieser Gelegenheit hat er mein Paukenkonzert gehört und war, wie er mir erzählte, begeistert, weil ich mich, obgleich unzweideutig ein zeitgenössischer Komponist, einer Tonsprache bediene, die von einem breiten, aber doch gebildeten Publikum verstanden werden kann. 

Mein Paukenkonzert wurde tatsächlich hervorragend aufgenommen. Zudem habe ich das Glück, dass viele meiner Werke, die von Karlheinz Siessl und seinem Orchester der Akademie St. Blasius uraufgeführt wurden, auf CD dokumentiert sind. Einige dieser CDs, vor allem einige meiner Sinfonien, hat Herr Schöpf offenbar gehört, bevor er mit seiner Idee, zum 25-Jahre-Jubiläum der Innsbrucker Promenadenkonzerte eine Bläsersinfonie zu schreiben, an mich herantrat.

Wo verorten Sie sich als Komponist zwischen subventionierter Avantgarde, die keiner hören will, und gemäßigter Moderne, auf die der Zeitgeist herabschaut?

Eine gefährliche Frage, die ich kaum beantworten kann, aber kommentieren möchte. Meine erste Gegenfrage lautet: Stimmt es denn, dass die subventionierte Avantgarde keiner hören will?

Ich verstehe natürlich den provokanten Unterton dieser Frage, die bereits endlose Diskussionen ausgelöst hat, immer wieder auslösen wird und mindestens ein Dutzend weiterer Fragen aufwirft, wie zum Beispiel »Wo verbirgt sich die eigentliche, wirkliche Avantgarde?« Ebenso könnte man fragen, welche Eigenschaften eine »gemäßigte Moderne« haben muss, um zu ihrer wenig schmeichelhaften Bezeichnung zu kommen?

Je nach Publikum habe ich auch schon die verschiedensten Reaktionen auf meine Musik erlebt. Welches Publikum suche ich mir als Komponist also aus? Es werden fast immer Personen im Publikum sitzen, die noch besser zu wissen glauben, was »Avantgarde« ist und jede ihnen vertraut vorkommende musikalische Äußerung sofort als »veraltet, konservativ« oder – sehr beliebt in letzter Zeit – als »retro« abstempeln, ohne auf den weiteren musikalischen Zusammenhang zu achten. 

Das Neue einer Komposition ist nicht immer sofort auszumachen, auch mit scheinbar vertrauten Klängen und Formen sollte man sich öfter beschäftigen.

  • 03.07.2019
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 7-8/2019
  • Seite 34-36

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