Klingende Figuren - Bläserkonzerte aus der Zeit um 1800

  • 21.09.2011
  • Mainstory
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 6/2011
  • Seite 28-31

Mit dem allmählichen Niedergang der aristo­kratischen Gesellschaftsordnung kam das Solistenkonzert in der Wiener Klassik zur Hochblüte. Haydns Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur (1796) oder Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur (1791) gehören zu den herausragenden Bläserkonzerten der Musikgeschichte.Verbesserte Blasinstrumente, freiberuflich reisende Virtuosen, bürgerliche Konzert­säle: Das Bläserkonzert wird in der Klassik zu einer kleinen Tagessensation, artistisches Können verdrängt die galante Tafelmusik. Um 1800 geraten die Solistenkonzerte daher immer länger, verblüffender und aufwendiger und ähneln zunehmend einer virtuosen »Sinfonia concertante«. Verbindlich ist allerdings noch die alte dreisätzige Form: Einem technisch beeindruckenden Allegro als Kopfsatz (oft mit Solokadenz) folgt ein liedhaftes, elegisches Adagio (auch: An­dante oder Largo). Danach kommt als Kehraus ein tänzerisch-musikantisches Rondo (oft: Allegro oder Allegretto).Stimme des FriedensDie beeindruckendste instrumentaltechnische Neuerung der Zeit ist die Klappentrompete, »mittels derer sich in allen Lagen alle chromatischen Töne erzeugen lassen« – die Vorläuferin der modernen Ventiltrompete. Der Wiener Trompeter Anton Weidinger (1766 bis 1852) hat sie entwickelt und stellt sie 1796 dem Komponisten Joseph Haydn (1732 bis 1809) vor. Haydns »Concerto per il clarino« in Es-Dur ist die erste Komposition für das neue Instrument – und bis heute das berühmteste und meistgespielte aller Trompetenkonzerte. Der 64-jährige Komponist nutzt mit seinem Pionierwerk auf frappierende Weise die – bis dahin auf der Trom­pete undenkbaren – Möglichkeiten von Weidingers Erfindung: tiefe Töne, Skalenläufe, chromatische Übergänge, große Intervallsprünge, leise Passagen. Stilistisch erinnert Haydns Trompetenkonzert an seine späten Sinfonien: Zum Begleitorchester gehören auch zehn Bläser, darunter zwei Natur­trompeten.

Hochklassik – musikalische Fakten in Kürze

Die Hochklassik:
Der Epochenbegriff »Klassik« entstand nach dem Tod des jüngsten der drei großen Wiener Meister, Ludwig van Beethoven. Dabei steht »klassisch« gleichbedeutend mit mustergültig, schön, ebenmäßig, harmonisch und doch schlicht und verständlich.

Die Hochklassik bringt die Weiterentwicklung der in der Frühklassik entstandenen Stilformen (Individualität der einzelnen Meister). Nachdem im 17. und 18. Jahrhundert Italien musikalischer Vorreiter war, übernimmt nun Wien diese Rolle. Wenn auch nicht dort geboren, so wirken doch dort die drei bedeutendsten klassischen Komponisten Haydn, Mozart und Beet­hoven, sodass man auch von der »Wiener Klassik« spricht.

Wichtige Komponisten:
Joseph Haydn (1732 bis 1809), Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), Luigi Cherubini (1760 bis 1842), Ludwig van Beet­hoven (1770 bis 1827), Carl Maria von Weber (1786 bis 1826), Gioacchino Rossini (1792 bis 1868), Franz Schubert (1797 bis 1828)

Harmoniemusik:
Harmoniemusik war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr beliebt bei Hofe. Als Freiluft- oder Tafelmusik (genannt Par­tita, Partia Feldmusik oder Serenade) war eine reine Bläser­besetzung üblich, meist ein Bläseroktett aus je zwei Oboen, ­Klarinetten, Hörnern und Fagotten. Für diese Besetzungsform entstehen Originalkompositionen sowie Bearbeitungen von Opern. Auch Mozart bearbeitet selbst manche Komposition und schreibt hierüber 1782: »bis Sonntag acht tag muß meine opera auf die harmonie gesetzt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt meiner den Profit davon; [...] sie glauben nicht, wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen – daß es den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht.« Der ursprünglich der Harmoniemusik ei­gene Unterhaltungscharakter wird im Laufe der Zeit zur ernstzunehmenden Kammermusik. Später geht die Harmoniemusik in die Militärmusik über.

Die Konzertpraxis:
Das Konzert als Aufführung erhält nun unternehmerischen Charakter und findet nun auch im bürgerlichen Ambiente statt. Der auftretende Musiker ist nun nicht von Berufs wegen dazu verpflichtet, sondern wird eigens dafür honoriert. Das Publikum bezahlt nun Eintrittsgeld.

Musikverlage:
Der Umstand, dass der Musiker/Komponist nun vermehrt freischaffend tätig ist und dass Musik auch im bürgerlichen Umfeld ankommt, führt zu einem neuen Geschäftsmarkt. Der Musiker/Komponist bietet seine Kunst einem anonymen Publikum an, er hat sich von einem direkten Auftraggeber gelöst. Musikverlage bieten die Werke nun auch in gedruckter Form zum »Hausgebrauch« an.

Schriftsteller der Klassik:
»Viergestirn« Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe

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