klezmers disneyland - mundraub am jüdischen kulturerbe? (2)

Als im Aprilheft in einem ersten Teil die Klezmer-Debatte beleuchtet wurde, hatten wir zwar gehofft, das sich recht viele Musiker oder sonstige Debattierer beteiligen. Schließlich hatten wir nicht grundlos einen zweiten Teil angekündigt. Hier ist er. Die Reaktionen, die wir uns gewünscht haben, sind eingetreten. Sie sind in einem Maße eingetreten, dass wir nun einen dritten Teil ankündigen dürfen. Wir bedanken uns bei allen, die sich beteiligt haben, jedoch nicht, ohne auch unsere Leserinnen und Leser aufzufordern, sich in den Diskurs einzubringen.

Die Debatte Doch worum ging es eigentlich? Es ging und geht um die Fragestellung »Wer darf Klezmer spielen?«. Oder stellt sich die Frage gar nicht? Die Diskussion darüber läuft seit einiger Zeit international. Ist Klezmer an Judentum gebunden und muss sich gegen permanente Vereinnahmungsversuche durch Nichtjuden wehren? Ist Klezmer aktuell oder eher kitschige Retro-Musik? Oder ist diese Musik identitätsstiftend für jüdische Kultur? Diese Debatte wird teilweise so emotional und so ideologisch geführt, dass man sie gar als Schlachtfeld bezeichnet, auf dem gerade um ein Erbanteil der jüdischen Kultur gerungen wird. Die Diskussion wird von beiden Seiten durchaus in dieser Hitzigkeit geführt. clarino.print möchte sich nicht als »Klezmer-Polizei« aufspielen, die Regeln aufstellt und Strafzettel verteilt. Im Gegenteil – es soll eine Lanze dafür gebrochen werden, dass einer unzulässigen und kritikwürdigen Kommerzialisierung und Romantisierung der Klezmermusik, die in den vergangenen zehn Jahren überhand genommen hat, kreative Spielweisen entgegengesetzt werden. Denn geht es nicht eigentlich um Musik pur und um deren Spielen und Interpretation? Darf Musik überhaupt vereinnahmt werden? Gibt es nicht im Umgang mit Kultur ein universell gültiges Erfolgsgeheimnis – Respekt? Respekt vor der eigenen Kultur und Respekt vor fremder Kultur. Und das gleichermaßen. Diese Debatte in clarino.print zu führen hat natürlich auch den Hintergrund, dass das Leitinstrument der Klezmermusik die Klarinette ist. Seit einiger Zeit finden aber zunehmend auch andere Blasinstrumente wie Trompete und Saxofon Eingang in diese Musikform.

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Franz X.A. Zipperer
  • Ausgabe: 7-8/2006
  • Seite 30-32

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