kleine band ganz groß - the real glenn miller story: bigband-minimalismus pur

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Franz X.A. Zipperer
  • Ausgabe: 3/2004
  • Seite 40-43

Vor ziemlich genau 100 Jahren – am 1. März 1904 – wurde er im kleinen Städtchen Clarinda in Iowa geboren. Fast 40 Jahre später verschwand sein Flugzeug zwischen London und Paris von den Radarschirmen der Alliierten. Es ist an diesem Punkt schon keine Millionenfrage mehr: Die Rede ist von Glenn Miller. Sein Vermächtnis ist sein einzigartiger Bigband-Sound. Er gab der Klarinette anstelle der Saxofone die Führungsposition im Holzregister, sein Blech setzte überaus kalkuliert Dämpfer ein, und die Posaunen gaben dem Publikum die volle Breitseite. Das Ganze bewegt sich dann auf einem Two-Beat-Rhythmusteppich. Anfang der 40er Jahre war Glenn Miller der populärste Musiker in den USA. Auch hatte er als erster unter den Bigband-Leadern das Potenzial des Rundfunks für die Verbreitung seiner Musik erkannt. Glenn Miller ist seitdem eine der leuchtendsten, aber auch umstrittensten Figuren der Jazzgeschichte. Vom Publikum geliebt und gefeiert, wird Glenn Miller bis heute von seriösen Jazzliebhabern und -musikern nicht ernst genommen. Sie werfen ihm Kommerzialität und Seichtheit vor.

Nicht ganz 60 Jahre nach seinem Tod und nicht ganz 100 Jahre nach seiner Geburt pilgert ein kleines Publikum durch den Kölner Nieselregen nach Ehrenfeld. Nieselregen passt so gut zu diesem Teil Ehrenfelds, wo sich das »ART-Theater« in die Schatten der fast übermächtigen Bahnbögen duckt. Das Publikum will einer Geburtstags-Hommage der besonderen Art für Glenn Miller beiwohnen. »The Real Glenn Miller Story« steht auf den Programmzetteln. Die »echte« Geschichte Glenn Millers? Sind wir bisher Lügnern, Betrügern und Tonverrätern aufgesessen? Wird es am heutigen Abend ein Enthüllungskonzert geben?

 

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