Klarinettist Daniel Graumann hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Eine CD aufzunehmen mag heutzutage keine große Sache mehr sein. Für Daniel Graumann aber bedeutet das Album weit mehr, als sich selbst zuhören zu können. Es bedeutet mehr, als auf einer Polycarbonat-Scheibe für viele Menschen greifbar zu sein. Mit seinem Debüt-Album »Angels dreaming« vollzieht er den endgültigen Schritt zu Daniel Graumann, dem Musiker.

Der Schritt zum Berufsmusiker

Daniel Graumann hat lange gezögert und gegrübelt. Gegrübelt darüber, ob er den Schritt zum Berufsmusiker nun tatsächlich und endgültig wagen solle. Im Oktober 2017 war es dann so weit. Er hat einen Master in Erziehungswissenschaften in der Tasche, doch die Berufsaussichten seien da eher mau gewesen.

Für die Entscheidung gab es allerdings trotzdem keine Initialzündung. Eher noch war der Zeitpunkt von der Logik her der denkbar ungünstigste. »Sich als Musiker selbstständig zu machen, ist schon mit Risiko verbunden«, weiß Daniel Graumann selbst. »Man hat ja Verpflichtungen!«

Im Falle Graumanns war seine Ehefrau zu dem Zeitpunkt hochschwanger. Und auch das Haus war neu und nicht abbezahlt. In einer solchen Situation rät einem der Verstand in der Regel etwas anderes. Und der Klarinettist gibt zu: »Vom Kaufmännischen her war die Entscheidung eher riskant – vom Herzen her war es die schönste!«

»Ich mag das Konkurrenzdenken nicht«

Daniel Graumann lacht. »Der Begriff der ›brotlosen Kunst‹ kommt ja beim besten Willen nicht von ungefähr. Aber man kann davon leben.« Der Markt sei immens groß, um das Klinkenputzen aber komme man nicht herum.

»Man braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Ich bin da realistisch. Ich weiß, dass es allein im Raum Osnabrück viele Klarinettisten gibt – und ich würde nie behaupten, ich sei der beste.« Wenn man Daniel Graumann so zuhört, ertappt man sich schon ein wenig bei dem Gedanken, ob da nicht einer ein wenig »zu nett« für das Haifischbecken Musikbusiness ist.

Ellbogeneinsatz kann man sich bei dem 32-Jährigen nicht wirklich vorstellen. »Ich mag das Konkurrenzdenken nicht«, bestätigt er. Und doch weiß er, »dass man konkurrieren muss«.

CD als Visitenkarte

Um auf sich aufmerksam zu machen, ist eine solche CD natürlich eine gute und immens wichtige Visitenkarte. Die darauf enthaltene Musik muss man dementsprechend anhören können. »Das Programm darauf ist komplett auf meinem Mist gewachsen«, erklärt Graumann salopp. Er möchte da keine Kompromisse eingehen. Es müsse sich um Musik handeln, »die ich selber gerne hören will«. Und er führt aus: »Nur mit Jazzstandards beispielsweise kannst du keinen Hering vom Tisch ziehen.«

Die CD »Angels dreaming« ist nun also diese emotionale Visitenkarte. »Ich will emotional spielen«, beschwört Daniel Graumann. Und das hört man deutlich. »›Der Soundtrack meines Lebens‹ würde ich es nicht nennen«, lacht er. »Dann würde man eher Genesis und Dire Straits hören. Aber es ist der Soundtrack meiner Karriere.«

»Angels dreaming« ist eine Mischung aus Jazz und Klezmer, mit Fußwippgarantie. Bei den Aufnahmen, gesteht Daniel Graumann, sei er nervös »wie sonst was« gewesen. Was ihm eigentlich gar nicht in den Kram passt. »Ich bin jemand, der immer auf Optimierung und Reflexion aus ist. Aber wenn man Angst hat, Fehler zu machen, kann man nicht improvisieren.«

  • 19.09.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2018
  • Seite 52-53

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