Johan de Meij: Über Fellini, Wettbewerbe und sein neues Album

  • 04.11.2016
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 11/2016
  • Seite 42-44

Zu wissen, in welchem Teil der Welt sich der Holländer Johan de Meij gerade aufhält, wäre ohne Facebook nahezu unmöglich. Der 62-Jährige ist überall. Scheinbar gleichzeitig. Und trotzdem schafft er es, einen Tonträger von über einer Stunde und die dazugehörigen Noten zu produzieren. Wie macht der das? Wir erwischten ihn übrigens per Skype. In seinem Studio in New York.

Sie haben erzählt, dass das Jahr 2015 ein sehr produktives war. Trotz der vielen Reisen haben Sie fast 100 Minuten Musik geschrieben. Wie machen Sie das, trotzdem so produktiv und kreativ zu bleiben?

Ich war etwa 40 Prozent des Jahres 2015 unterwegs. Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass ich immer noch 60 Prozent zu Hause war. Und wenn ich zu Hause bin, bin ich sehr effektiv mit meiner Zeit. Ich stehe früh auf und habe keine Probleme damit, zehn Stunden pro Tag zu arbeiten. Wenn ich eine gute Idee habe, dann bin ich ganz begeistert. Dann arbeite ich diese auch aus.

Muss man diese Arbeitszeit planen und einteilen? Ähnlich wie bei einem Nine-to-Five-Job?

Wenn ich zu Hause bin, arbeite ich jeden Tag. Arbeit am Wochenende etwa macht mir nichts aus. Aber ich arbeite nur tagsüber. Am Abend bin ich in der Küche oder treffe mich mit Freunden. Abends bin ich meistens nicht hier in meinem Studio.

Nutzen Sie Ihre Reisezeit zum Arbeiten? Schließlich verbringt man einige Zeit im Flieger.

Ich mache mir oft Skizzen oder mache mir Gedanken über die Struktur eines Stücks. Aber die wirkliche Arbeit muss ich hier im Studio machen, wo ich mein Keyboard habe. Wenn ich etwas Neues aufschreiben möchte, brauche ich das. Ich habe das nicht alles im Kopf.

Arbeiten Sie vermehrt am Computer oder nutzen Sie auch noch Stift und Notenpapier?

Immer mit der Hand! Vor allem Skizzen schreibe ich immer ganz schnell mit dem Bleistift. Das kann ich hinterher kaum lesen. Aber es ist ein Missverständnis. Viele Leute fragen mich, welches Programm ich zum Komponieren benutze. Es gibt keine Programme zum Komponieren! Da geht es ums Notieren – das ist etwas ganz anderes! Ob ich dann Sibelius oder Finale nehme, ist ja letztlich egal. Natürlich sind diese Programme sehr hilfreich zum Ausprobieren. Aber ein Komponierprogramm gibt es noch nicht. Leider.

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