joe bowie - ein posaunist von weltrang als wahrer entertainer

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 1/2005
  • Seite 12-14

Vielleicht lag es an der Reihenfolge der Geburt. Lester war der Älteste, Byron der Zweite, und Joseph musste sich mit der Nesthäkchenrolle begnügen. Trompete und Saxofon waren schon besetzt. Vielleicht hat es ihn deshalb zum größeren Blasinstrument getrieben, und zum festen Willen, mehr als nur Posaunist zu werden. Joe Bowie ist Frontman. Ganz egal in welcher Formation der mittlerweile 50-Jährige auf den Bühnen der Welt sein Gastspiel gibt – er bläst und singt und trommelt, er schreibt Texte und er reißt Witze. Präsenz ist ihm das Wichtigste. »Das hat nichts mit dem Instrument zu tun, das du spielst. Das ist eine Frage der Persönlichkeit«, sagt der schwarze Mann mit weißen Short und weißem Käppi, während er auf der Holzbank im Schatten sitzt, die dörfliche Idylle im Allgäu genießt und auf seinen Einsatz mit »Emergency Room« im umfunktionierten Saustall wartet. »Wo ich spiele ist mir auch egal – ob große Bühnen oder Stall – die Musik ist immer dieselbe.«

Gut, eine Einschränkung muss Joe Bowie schon machen. Denn seit der gebürtige US-Bürger sich vor drei Jahren entschieden hat, seiner Liebe nach Holland zu folgen, arbeitet er oft im benachbarten Deutschland. Und dort musste er eine üble Erfahrung machen: »Die Studios, in denen wir proben oder aufnehmen, sind oft dermaßen eklig, dass es dir gleich weh tut, dort zu spielen. Am Anfang dachte ich: Na gut, die Deutschen mögen das wohl so, sie finden das wohl anregend – was es beileibe nicht ist. Manchmal stinkts dort so, dass du dich nicht konzentrieren kannst. Aber inzwischen ist mir klar, dass einfach kein Mensch mal sauber macht. Zig Bands nutzen die Studios, aber keiner räumt mal auf.«

 

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