Jim Snidero: Die Leichtigkeit des Saxofonspiels

Saxofonist Jim Snidero (Foto: John Rogers)

Wenn Jim Snidero in sein Altsaxofon bläst, sieht das unglaublich unangestrengt aus. Was nicht heißt, dass seine fünf Mitmusiker – Peter Lehel und das FineFones Saxophone Quartet – mit hochrotem Kopf dastünden. Doch wenn der US-Amerikaner spielt, hat das etwas geschmeidiges, leichtes. Wir trafen den Saxofonisten in Mannheim. Vor und nach dem Konzert im Jazzclub »Ella & Louis«.

Beim Abendessen, nach dem kurzen Soundcheck im Club, wird noch kurz die Setlist durchgesprochen. Peter Lehel und Olaf Schönborn plaudern darüber, welche Reihenfolge sinnvoll ist, welche Stücke wie anmoderiert werden, wann Jim Snidero dazustößt. Kleinigkeiten also. Peter Lehel macht sich Notizen. Der »Gaststar« Jim Snidero sitzt daneben und hört schweigend zu. 

Das hat mehrere Gründe. Zum Beispiel ist er an diesem Nachmittag gerade aus New York via Frankfurt nach Mannheim gekommen. In New York, wo er wohnt, hatte er aber auch nur schnell einen Zwischenstopp eingelegt – Koffer ausräumen, Koffer wieder packen. Da war er nämlich gerade von einem Workshop in der Wüste Nevadas zurückgekommen. Er ist müde. Er fragt höflich, ob es okay sei, wenn er kurz die Augen schließe. Vor dem Auftritt muss er sich dann aber doch noch einmal kurz zurückziehen und sich hinlegen.

Glänzen, ohne die Mitmusiker in den Schatten zu stellen

Aber er ist nicht nur müde. Er ist auch kein Dampfplauderer. Diese Zurückhaltung wird er auch im Konzert nicht ablegen. Und doch besticht er durch seinen Sound. Er ist kein Alphatier, keiner, der vorprescht und sagt, wo es langgeht. Er fügt sich nahtlos ins Spiel der vier anderen Saxofonisten ein. 

Er glänzt, ohne die Mitmusiker in den Schatten zu stellen. Zeichnet das einen großen Musiker aus? Wie macht er das? Zum Interview am nächsten Morgen (»Ich würde gerne ausschlafen!«) erscheint er – höflich, wie er ist – fünf Minuten zu früh. Er lobt die guten Fragen und das »ziemlich gute« (»quite well«) Englisch. Es ist wie auf der Bühne: Understatement.

50 Jahre Übung auf dem Saxofon

Wird er auf sein Saxofonspiel angesprochen, das so leicht und geschmeidig daherzukommen scheint, entfährt ihm leise lachend ein sanftes »Oh...«. Er erklärt, dass das auch eine Sache der Übung sei. »Um wirklich mit dem Instrument klarzukommen, mit der Fingertechnik, mit dem Ansatz – das dauert... Ich habe schon viel geübt in meinem Leben. Ich spiele seit 50 Jah­ ren Saxofon.« Er macht eine Kunstpause, um diese Zahl wirken zu lassen. »Das ist unglaublich...«

Er habe viele großartige Lehrer gehabt, erzählt er. Vermutlich sei es die Kombination aus Zuhören und Nachahmen, die ihn letztendlich ausmacht. Er habe vielen Saxofonisten zugehört und versucht, deren Konzept zu begreifen. »Das Saxofon ist ein leicht zu spielendes Instrument. Aber es ist schwer, es gut zu spielen.« Er lacht. Wenn man hineinblase, bekomme man schnell einen Ton heraus.

  • 12.06.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2019
  • Seite 44-47

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