Intonation im Blasorchester (3) - Die Relativitätstheorie der Intonation

Sicherlich ist es uns allen schon einmal so ergangen: Wir spielen, sagen wir ein g, mit einem ganz bestimmten Griff, mit einer ganz genau dosierten Atemstütze, einer ganz speziellen Ansatzspannung und Dynamik, und der Zusammenklang im Ensemble »stimmt«. Ein paar Takte später spielen wir ganz genau dieses g an einer anderen Stelle, und es klingt »verstimmt«: Ein und dieselbe Tonhöhe klingt das eine Mal gut, das andere Mal  schlecht. Da wir die beiden g gleich gespielt haben, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass an der zweiten Stelle unsere Mitspieler schlechter intoniert haben als an der ersten. Wir richten uns daher darauf ein, indem wir uns an der zweiten Stelle großzügig nach ihnen richten und unsere Intonation anpassen. Wer weniger großzügig ist, wird vielleicht auch eine Diskussion über Intonationsfragen in Gang setzen oder gar die Schuldfrage klären wollen. Um solche Situationen zu vermeiden, sollte man sich lieber fragen, ob es nicht vielleicht auch an der Musik liegen könnte, dass das zweite g nicht passt.

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Doris Geller
  • Ausgabe: 3/2009
  • Seite 12

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