Interview mit Toni Profanter: Ein Blick nach Südtirol

Toni Profanter (Jahrgang 1954) aus Vilnöß war langjähriger Verbandsstabführer im Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM) und ist heute Ehrenmitglied dieses Verbandes. CLARINO-Mitarbeiter Joachim Buch sprach mit ihm über seine Arbeit und seine Bestrebungen, den optischen wie den musikalischen Aspekt gleichermaßen zu fördern.

Woher rührt Ihre Faszination für dieses Thema?

In jungen Jahren war Musik in Bewegung eigentlich noch gar kein Thema für mich, denn in meiner Heimatkapelle wurde dies stiefmütterlich behandelt und es gab auch kaum spezielle Proben dazu.

Man kennt Sie in Villnöß als Dirigent und Stabführer. Hatten Sie immer schon beide Positionen inne?

Als ich 1979 zum Kapellmeister gewählt wurde, nahm ich das Amt des Stabführers nicht an, denn bis dahin war es in den Kapellen weitgehend üblich, dass der Kapellmeister auch den Tambourstab führte. Erst nach einigen Jahren bemerkte ich, dass ich für eine positive Entwicklung der Marschmusik in der Kapelle auch dort Hand anlegen müsste.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Als ich 1983 zum stellvertretenden Bezirkskapellmeister von Brixen gewählt wurde, musste ich mich unweigerlich auch der Musik in Bewegung widmen. 1989 wurde ich zum Bezirkskapellmeister gewählt und zeichnete von da an im VSM für die Musik in Bewegung verantwortlich. Ich gründete ein landesweites Stabführerteam, das sich zum Ziel setzte, die Musik in Bewegung auf Vordermann zu bringen. Von da an kann man sagen, dass ich von diesem Thema fasziniert wurde. Ich spürte, dass es das Publikum und auch die Musikanten begeistern konnte.

Wie hat sich der Stellenwert der Musik in Bewegung in Südtirol seither entwickelt?

Sie hat im Laufe der Jahre einen immer besseren Stellenwert erreicht, nicht unbedingt aufgrund der häufigeren Marschbewertungen, sondern weil die Ausbildung der Stabführer einen großen Qualitätssprung gemacht hat. Der Verband bietet dafür bereits seit 20 Jahren ein dreistufiges Ausbildungsprogramm an.

Wie sah es speziell in Villnöß aus?

In den 1960er Jahren war die Begeisterung für das Marschieren an einem Tiefpunkt angelangt, weil man bei einem Wettbewerb schlecht abgeschnitten hatte. Erst 1985 gelang es mir, die Kapelle wieder zu einem Wettbewerb zu führen. Danach ging es stetig aufwärts. 1997 traten wir erstmals in der Stufe D an.

Dann folgten Showdarbietungen bei besonderen Anlässen und Wettbewerben. Dadurch wurde die Kapelle in Südtirol auch bekannt als Vorreiter der Musik in Bewegung. Vorteilhaft in diesem Zusammenhang war die Situation, dass ich als Kapellmeister und Stabführer die Proben zum Marschieren oder für Konzertprogramme eigenständig einteilen konnte.

  • 25.04.2017
  • Schwerpunktthema
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 5/2017
  • Seite 40-41

« zurück