Internationaler Blasmusik Kongress: Eine Wiederholung wird angestrebt

  • 05.03.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel und Wilhelm Schmid
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 50-52

Auf allen Ebenen herrschte Einigkeit. »Wir alle hoffen auf eine Neuauflage in zwei Jahren«, meinte etwa Jürgen K. Groh, Vizepräsident der Deutschen Sektion des Internationalen Verbandes der Sinfonischen Blasorchester »WASBE«. Auch Oberstleutnant Christoph Scheibling, Chefdirigent des Musikkorps der Bundeswehr, wünschte »alles Gute für die Zukunft«. Besucher, Dirigenten, Komponisten, Aussteller und Musiker waren sich einig: Für solch einen Internationalen Blasmusik Kongress (IBK) war es allerhöchste Zeit.

Vier Tage lang waren das Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus und das benachbarte Hotel Mittelpunkt der Blasmusik. Und dabei kam der »Sinfoniker« ebenso auf seine Kosten wie der »Jazzer«, der Vereinsfunktionär ebenso wie der Dirigent oder der Instrumentallehrer.

Vielfältiges Programm

Und die Organisatorinnen Alexandra Link und Miriam Tressel hatten es den Besuchern nicht leicht gemacht, ihren »Stundenplan« zusammenzustellen. Denn insgesamt 70 Dozenten äußerten sich in Workshops, Reading-Sessions, Vorträgen und Meisterkursen zu nahezu allen Themen der Blasmusik.

Diese reichten vom Vortrag »Blas-Musik = Atem-Klang«, Band-Coaching und Konzertmoderation über den Vergleich von Lehrwerken für Bläserklassen, Komponistenporträts, Workshops für Eufonium und viele andere Instrumente bis hin zu »Flexibilität! Vom Bigband-Sound bis zum Egerländer Stil« und zur Meisterklasse Dirigieren.

Alle Workshops zu besuchen war schlicht ein Ding der Unmöglichkeit und so sah man den ein oder anderen Besucher hektisch von A nach B eilen. Der Publikumsandrang jedenfalls war in den meisten Workshops immens.

Zahlreiche Prominente

Die »Promi-Dichte« war enorm. Schließlich gaben sich Komponisten wie Philip Sparke, Franco Cesarini, Hubert Hoche und Thomas Doss, Musiker wie Christoph Moschberger, Dirk Hirthe, Martin Spangenberg und David Childs, Dirigenten wie Jean-Claude Braun, Christoph Scheibling, Toni Scholl oder Franco Hänle – um nur einige zu nennen – die Ehre.

Durch das enorme und hochkarätige Programmangebot und dem Verlangen, möglichst viel davon mitzunehmen, hatten die Besucher ausgiebig Gelegenheit zur Information und zur Fortbildung – der Meinungsaustausch zwischen den einzelnen Terminen wäre fast zu kurz gekommen. Und auch darin war man sich einig: Ein Austausch Face to Face ist in der heutigen Zeit trotz – oder ­gerade wegen – der modernen Kommunikationsmittel wie E-Mail sowie Facebook, Twitter und Co. durch nichts zu ersetzen.

Umfangreiche Ausstellung

Etwa 30 Musikverlage und Instrumentenhersteller präsentierten ihre Neuheiten in einer umfangreichen Ausstellung, wo sich sowohl Dirigenten als auch Aktive aus der Blasmusik aller Stilarten informierten, neue Partituren zeigen ließen und von der Piccoloflöte bis zur Basstuba alles ausprobierten, was man für qualifizierte Blasmusik braucht.

Manche Konzertprogramme der kommenden Monate werden wohl mit Kompositionen gestaltet werden, die hier erstmals öffentlich gezeigt wurden, und wenn man die Besucher der Ausstellung beobachtete, erlebte man Probierszenen und Verkaufsgespräche, deren »Ergebnis« in Form eines mit Messerabatt erworbenen Instruments bald auf der Bühne zu sehen und zu hören sein wird.

Sieben hochkarätige Konzerte

Höhepunkte gab es zahlreiche während des Kongresses. Einzelne herauszuheben, dürfte schwierig sein. Die sieben hochkarätigen Konzerte jedoch gehörten unbestritten dazu, was auch der sehr gut besetzte Große Saal attestierte.

Das Kreisverbandsjugendblasorchester Ulm/Alb-Donau, im Vorjahr Goldmedaillengewinner beim World Music Contest in Kerkrade, eröffnete unter der Leitung von Franco Hänle die Konzertreihe mit einer höchst beachtlichen Präsentation seines WM-Programms. Krönung dieses Konzerts war der Auftritt des niederländischen Komponisten Jacob de Haan am Dirigentenpult, der seine »Salamander Symphony« begeisternd zur Aufführung brachte.

Im zweiten Konzert trat mit der »Musique Militaire Grand-Ducale Luxembourg« unter Leitung von Major Jean-Claude Braun die Militärkapelle des Großherzogtums auf. Höhepunkt ihres Auftritts war das einleitende »Glorioso«, das der Belgier Jan Van der Roost selbst leitete.

Am Freitag standen mit der »Bläserphilharmonie Wertingen« eines der erfolgreichsten deutschen Laienblasorchester und mit der »Unío Musical Alqueriense« ein renommiertes spanisches Orchester auf dem Programm.

Ein besonderes Erlebnis war auch der Auftritt des »voestalpine«-Werksorchesters aus Linz: Der heutige Technologiekonzern mit 50 000 Beschäftigten war in der NS-Zeit als Rüstungsbetrieb gegründet worden; damals waren tausende Zwangsarbeiter unter schwierigsten Bedingungen beschäftigt.

Heute hat der Konzern seine Geschichte in Form einer Gedenkstätte und eines Museums aufgearbeitet und dazu erhielt Thomas Doss einen Kompositionsauftrag, dessen Ergebnis hier zur deutschen Erstaufführung kam: »The Iron Ring« ist dem Andenken an die Zwangsarbeiter gewidmet und seine Interpretation durch das sinfonische Blasorchester des Werks, in dem diese arbeiten mussten, stellte somit eine besondere Form der Vergangenheitsbewältigung dar.

Die Bläserphilharmonie Baden-Württemberg unter der Leitung von Toni Scholl gestaltete den Samstagabend. Mit einem Programm aus Wagner, Maslanka, Samuel R. Hazo und Michael Giacchino wussten die Musikerinnen und Musiker zu gefallen. Höhepunkt hier war der Auftritt des Eufoniumsolisten David Childs aus England bei »Zigeunerweisen« von Pablo Sarasate und Gert Buitenhuis.

Zum krönenden Abschluss trat am Sonntagmittag das Musikkorps der Bundeswehr auf, bei dem der Trompetensolist Christoph Moschberger, der zuvor schon als Dozent aufgetreten war, Beifallsstürme erntete.

Neuauflage

Die rundum hervorragende Resonanz auf das hochkarätige Programm des erstmals veranstalteten Internationalen Blasmusik Kongresses veranlasste abschließend nicht nur Besucher, Dozenten, Musiker und Komponisten, sondern auch die Organisatorinnen Alexandra Link und Miriam Tressel dazu, ihrer Hoffnung auf eine Neuauflage in zwei Jahren Ausdruck zu verleihen.

Interview-Reihe zum IBK

CLARINO-Chefredakteur Klaus Härtel führte im Rahmen des IBK zahlreiche Gespräche mit Dozenten, Musikern, Dirigenten und Komponisten. Die Aufzeichnungen der Gespräche werden nach und nach auf der IBK-Seite veröffentlicht. Hier finden Sie das erste Video mit Jan Van der Roost...

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