Interdisziplinäre Verknüpfung in der Musik

Oscar Wilde (Foto: Napoleon Sarony - Metropolitan Museum of Art)

Der Begriff Interdisziplinarität stammt aus der IT-Branche und gehört heute zum digitalen Fachjargon. Er ist das Zauberwort für die Verquickung von Sachgebieten und der globalen Verfügbarkeit alles und jedes. Die Frage, inwieweit diese Verknüpfung auch die Musik und die Kunst ganz allgemein betrifft, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Einer der Universalkünstler unserer Zeit war Oscar Wilde. Er hat über Kunst und deren Verknüpfung immer wieder nachgedacht. Deshalb werde ich jeweils einige kurze Betrachtungen dieses großen Mannes voranstellen.

»Die Kunst ist das mathematische Resultat des emotionellen Strebens nach Schönheit.« (Oscar Wilde)

Dieser Ausspruch weist bereits auf die verknüpfende Komplexität allen künstlerischen Tuns hin und zeigt uns gleichzeitig auf, dass nichts im Dasein des Menschen für sich allein im Raume steht. Lassen Sie mich deshalb zuerst wieder die Begriffe unseres Themas etwas näher erläutern.

»Disziplin« stammt aus dem Lateinischen und bedeutet »Lehre, Zucht oder Schule«. Sie ist also erlernbar und nötig für jede Tätigkeit des Menschen. Als Steigerung könnte man den Begriff der »Selbstdisziplin« ansehen. Disziplin bezeichnet aber auch Teilbereiche in der Wissenschaft oder im Sport und erfährt so bereits wieder eine Einschränkung. 

»Verknüpfung« ist eigentlich ein Wort aus der Textilindustrie und steht für »Knoten« oder »Verbindung«. Man kann mit jemandem in Verbindung stehen, einen inneren Zusammenhang herstellen oder auch Lebewesen miteinander paaren. Synonyme für »verknüpfen« sind »paaren, synchronisieren, verquicken, verschränken oder zusammenwerfen, aber auch verknoten, zusammensetzen, kombinieren, verkoppeln, zusammenfügen oder zusammenschnüren.« Wählt man für die Musik diese schönen alten Worte und andere mehr, wird man gewissermaßen automatisch in unser Thema hineingeführt.

Die »interdisziplinäre Verknüpfung« ist also ein technokratisches Wort, das semantische Sinnzusammenhänge eher einschränkt als deren Möglichkeiten aufzeigt. Die Semantik stammt aus dem Griechischen und meint in der Sprachwissenschaft »ein Zeichen geben, bezeichnen«. Semantik beschreibt die Theorie von Sätzen, Satzteilen, Wörtern und Wortteilen.

  • 11.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 3/2019
  • Seite 31-33

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