inka janßen - schreien vor wut und spielen vor lust

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 10/2004
  • Seite 14-15

Es trifft dich von hinten, und wenn es dich trifft, bist du erst einmal ganz alleine auf dieser Welt. Denn deren Urteil – ob von fachlicher oder dilettantischer Seite – steht: MS ist nicht tödlich, aber MS ist ganz, ganz schrecklich. Inka Janßen kennt die Angst, die entsteht, wenn dich ein kompletter Fachärzte-Pulk tröstet, statt sachlich zu bleiben: »Aber nein, DAS haben Sie bestimmt nicht.« Und es mit nichts belegen kann. Sie kennt die Verzweiflung, wenn dieser Pulk dann – händeringend, statt sachlich zu bleiben – zugeben muss, dass es eben doch jene ominöse Krankheit ist, von der alle wissen, dass es sie gibt, die jedoch keiner definieren – oder gar heilen – kann. Auch Inka Janßen konnte das nicht. Nach acht Jahren mit Multipler Sklerose hat sie allerdings durchaus ein Bild von dem, was sie sich da eingefangen hat. Und geht dagegen an – mit Qigong und ihrem Saxofon.

Als sie kein Gefühl mehr hatte in den Beinen und Händen, als sie Angst hatte zu erblinden, als sie am Telefon nichts mehr mitbekam und der Ohrenarzt dennoch sagte, sie höre doch ganz gut – das waren die Zeiten, in denen die Ostfriesin in Inka Janßen erwachte: »Ich musste dann raus auf den Deich und einmal ganz laut schreien vor Wut.«

 

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