Impressionismus und die Flöte: Zum 100. Todestag von Claude Debussy

In Claude Debussys Musik emanzipierte sich erstmals die Klangfarbe, die Harmonien begannen zu schweben jenseits von Dur und Moll. Zum Inbegriff dieses musikalischen Impressionismus wurde die Querflöte.

Impressionismus in der Musik: Spezielle Beleuchtungen

Wann genau der Modebegriff »impressionistisch« Eingang in die Welt der Musik fand, lässt sich nicht mehr genau sagen. Schon 1887 soll eine Komposition von Claude Debussy für ihren »vagen Impressionismus« kritisiert worden sein. Der Debussy-Kenner Jean Barraqué meint, Debussys Orchesterwerk »Nocturnes« (1899) habe den eigentlichen »Mythos der impressionistischen Musik« hervorgebracht. Auf jeden Fall brachte dieses Werk dem Komponisten den Durchbruch zum Ruhm.

Dass man seine Musik mit den Bildern der Impressionisten verglich, daran ist Claude Debussy selbst nicht ganz unschuldig. Seine »Nocturnes« beschrieb er wie eine impressionistische Licht- und Farbmalerei, er sprach von »Eindrücken und speziellen Beleuchtungen«.

Über den ersten Satz (»Nuages«) schrieb er: »Das ist der Anblick des unbeweglichen Himmels mit dem langsamen und melancholischen Zug der Wolken, zuletzt ein graues Verlöschen, mit sanften weißen Tönungen.« Über den zweiten Satz (»Fêtes«): »Das ist die Bewegung, der tanzende Rhythmus der Atmosphäre mit grell aufblitzendem Licht.«

Zahlreiche Kompositionen Debussys tragen Titel, die Verbindungen mit malerischen Impressionen nahelegen: »Spiel der Wellen«, »Mondlicht«, »Der Schnee tanzt«, »Die Düfte der Nacht«, »Der Wind in der Ebene«, »Gärten im Regen«, »Nebel«, »Vom Morgen bis zum Mittag überm Meer« – und viele andere.

Schwebende Klänge

Ähnlich wie Monets Bilder, die flüchtige Wetter- und Lichtreflexe oder verschwommene Wasserspiegelungen einfangen, scheint sich Debussys Musik häufig im Körperlosen zu bewegen – ätherisch, atmosphärisch, kaum fassbar.

Der Komponist emanzipierte das Spiel der Klangfarben, er befreite es von der Schwerkraft harmonischer Regeln. Allen Ernstes forderte er sogar »die Abschaffung des Studiums der Harmonielehre, wie man es an den Musikschulen betreibt«.

Den üblichen Tonarten mit Tonika und Dominante stellte er andere, »schwebende« Tonskalen zur Seite (»von der sechsstufigen bis zur einundzwanzigstufigen Tonleiter«), er ließ Akkorde unvollständig und unaufgelöst »in der Luft« hängen, fand unorthodoxe harmonische Übergänge oder schuf durch Wiederholungen den Eindruck statischer Klangbilder.

  • 01.02.2018
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 2/2018
  • Seite 44-45

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