Immer in Bewegung: Die Saxofonistin Nicole Johänntgen

  • 27.05.2015
  • Szene
  • Kluas Härtel
  • Ausgabe: 6/2015
  • Seite 42-45

»Ich habe gerade das Gefühl, am Bahnhof zu stehen und mich selbst dabei zu beobachten, wie ich im Zug sitze. Und ich winke mir zu. Ein tolles Gefühl irgendwie. Aber auch so surreal.« Die Saxofonistin Nicole Johänntgen ist so umtriebig wie gefragt. Neues Album hier, Festivals dort, Auslandsreisen, Stipendien, Auszeichnungen. Kurz gesagt: Es läuft!

Ende des Jahres 2014 kam es endlich, das lang ersehnte neue Album von Nicole Jo, der Band um die wunderbare Saxofonistin Nicole Johänntgen. »Colours« heißt es und stellt ein Gesamtwerk bunter Klänge aus Jazz, Pop, Soul, Blues und Filmmusik dar. Der Beschreibung, das Werk stecke »voller herzhafter Emotionen, knackiger Beats zum Mittanzen und stimmungsvoller Klangbilder«, ist eigentlich wenig hinzuzufügen. Ihre erste CD hatte die Band ein Jahr nach ihrer Gründung, im Frühjahr 1999 veröffentlicht. Volle 15 Jahre sind seitdem vergangen...

Natürlich entwickelt man sich da weiter. Musikalisch wie menschlich. »Nicole Jo hat heute eine völlig andere Soundstruktur«, findet die Frontfrau. Die Technik sei eine andere als noch anderthalb Jahrzehnte zuvor, und auch beim Instrumentarium hat die Band mehr Elemente eingebaut. Nicole Johänntgen, der Bassist Philipp Rehm – die bislang einzige Neubesetzung der Band –, Elmar Federkeil (Drums und Percussion) sowie Nicoles Bruder Stefan Johänntgen (Keyboards und Programming) sorgen für den abwechslungsreichen und farbenfrohen Sound. Federkeil spielt zudem erstmals die Blue Point Steel Harp, ein wirklich selten zu hörendes Instrument. Und die menschliche Komponente? »Die Zusammenarbeit hat sich eigentlich nicht großartig verändert«, meint die Saxofonistin. So floskelhaft es klinge, aber »wir sind wie eine Familie – nicht nur, weil mein Bruder dabei ist. Und wenn man voneinander genervt ist, muss man eben drüber reden.« Allerdings sehe man sich ja auch nicht ständig. Allein schon, weil die Wohnorte weit auseinanderliegen. »Es ergeben sich bei uns nicht viele Flächen zum Rumzicken. Reibung gibt’s immer mal – aber das kommt eben in den besten Familien vor...«

Eine neue CD endlich in den Händen zu halten, sei immer etwas Besonderes, meint Nicole Johänntgen. »Da empfinde ich immer eine kindliche Freude.« Da könne man als Musiker noch so »professionell« sein. »Man arbeitet so stark auf etwas hin und ist bei jedem Ton hundertprozentig dabei und kennt jede Stelle auswendig.« Und bei »Colours« hat die Band alles bis auf das Mastering selbst gemacht. Stolz erzählt die 33-Jährige, dass auch das Cover »selfmade« ist. »Die Hülle habe ich mit meiner WG-Kollegin Lucia gestaltet.« Nicole Johänntgen lebt die Musik und genießt sie mit allen Sinnen. Deshalb bedeutet ihr ein wirklich vorhandenes Album auch mehr, als per Mausklick einen Link zu versenden. »Du fasst es an, du klappst es auf, du schaust es an und du hörst es an... Das ist doch was Schönes!« Die Saxofonistin versprüht Begeisterung im ganzen Raum.

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