Im Test: Capella-Software - eine große Familie

Früher war alles anders. Man hat mit dem Rastral seine Notenlinien auf ein Blatt Papier gezogen und von Hand Musik aufgeschrieben. Davor hatte man Jahrelang Unterrricht bekommen – in Klavierspiel, Tonsatz, ­KOmposition. . . War früher alles besser? Einfacher als heute war es sicher nicht. Für alle Musikerbelange – vom Notensatz bis hin zu Unterricht in den verschiedensten musikalischen Disziplinen – bietet die Software-Familie »Capella« etwas geeignetes an.

Will man beim Familiengedanken bleiben, ist das Familienoberhaupt »capella 7« die neue Version des Notensatzprogramms. Dazu kommen verschiedene Söhne: »capella-scan«, »capella ­playAlong« und »capella wave kit«. Als Hauslehrer fungieren die Programme »tonica fugata« für Tonsatz, Kanon, Fuge und Generalbass, »audite!« für Gehörbildung und »rondo« für Grundlagen der Musiklehre.

In vielen Bereichen des musikalischen Lebens braucht man ein funktionales Notensatzprogramm – nicht nur als Komponist oder Arrangeur. Auch ein Dirigent, der für seine Musiker Stimmen umschreiben will, ein Lehrer, der für seine Schüler kleine Duette setzt, oder ein Musiker, der in seiner Orchesterstimme etwas umzuschreiben hat, hat Bedarf. Da ärgern sich Posaunisten oder Fagottisten gern einmal über einen Tenorschlüssel (wobei der durchaus Sinn hat) oder eine fehlende Stimme soll in ein anderes Instrument gezogen werden und das andauernde Springen zwischen den Seiten ist kaum machbar.

Auf dem Markt gibt es eine beachtliche Anzahl an Notensatz­programmen, die von der kostenlosen Freeware bis zum teuren Profi-Produkt reichen. Die Software »capella« lässt sich hierbei preislich in das mittlere, technisch in das leicht gehobene Segment einordnen. Auch die Bedienung der »capella«-Software klappt recht zügig. Wer musikalische Grundkenntnisse hat – wovon man ausgeht, wenn sich jemand ein Notensatzprogramm kauft –, wird sich schnell mit den Icons zurechtfinden. Außerdem hilft Neueinsteigern auch der Partitur-Assistent, sich beim Erstellen der ersten eigenen Dokumente zurechtzufinden. Des Weiteren kann man als User auch viel Wissenswertes aus dem übersichtlichen und gut strukturierten Hilfebereich erfahren.

Ein für Partituren sehr wichtiges Feature sind die »lebenden Stimm­auszüge«. Noten-, Grafik- und Textbearbeitung in Partitur und Stimmenauszug beeinflussen sich wahlweise. Werden also nach Erstellen der Stimmauszüge nochmals Änderungen in der Partitur vorgenommen, werden diese automatisch in die entsprechenden Stimmen übernommen. Handlich ist auch die Partitursynthese, die aus verschiedenen Einzelstimmen eine Partitur erstellt. Schlüssel-, Takt- und Tonartwechsel sind immer möglich. Sehr arbeitserleichternd ist auch die automatische Akkordfüllung nach Bezifferung. Für das Layout bietet »capella« alle Möglichkeiten.

Auch »capella scan« kann ein tolles Hilfsmittel sein. Hierüber lässt sich viel müh­sames Notenabtippen sparen. Die entsprechenden Noten werden eingescannt und in »capella« importiert. Mit »capella play­Along« geht es nahtlos weiter. Hiermit kann sich jeder Musiker seine eigene Mitspiel-CD gestalten und zu Hause das große Solo spielen, das er schon immer einmal spielen wollte. Dabei kann aus einer gewünschten Partitur einfach die Solostimme – oder jede andere gewünschte Stimme – einfach weggelassen werden und auf CD gebannt werden. Oder man möchte das Werk üben, das gerade im Musikverein ansteht. Dann kann man sich eine Übe-CD erstellen. Etwa eine langsamere Version, in der die eigene Stimme im Vordergrund liegt, dann eine Version im Originaltempo ganz ohne die eigene Stimme. Dazu muss man nicht alle Partituren selbst schreiben oder mit »capella-scan« ins Programm einarbeiten. Unglaublich viele Partituren aus verschiedenen Epochen und in unterschiedlichen Besetzungen gibt es auf der Homepage von capella zum Download.

Weiter geht es im »capella«-Programm mit den vielen Lernmöglichkeiten. Am Beginn des musikalischen Lernprozesses steht »rondo«. In überschaubaren Einheiten vermittelt das Programm alles Wissenswerte: Noten, Pausen, Schlüssel, Notenwerte, Rhythmen und vieles mehr. Dabei gibt es immer wieder kleine Aufgaben zu lösen, um das Gelernte zu festigen. Neben den Übungen bietet »rondo« auch Tests, die mehrere Lerneinheiten umfassen. Durch eine liebevolle Optik und einen ansprechenden Aufbau macht Musiktheorie schon von Beginn an Spaß.

Für fortgeschrittene »Musiktheoretiker« gibt es »tonica fugata«. Hier geht es um Tonsatzlehre, Fugenlehre und Komposition. Dabei beschränkt sich dieses Programm nicht nur auf alte Musik, es kann auch für Jazzer eine spannende Hilfe sein. »tonica fugata« ist auf der einen Seite Komposi­tions­helfer, auf der anderen Seite Lehrer und Kontrollinstanz, wenn es beispiels­weise um das Aufdecken von verbotenen Parallelen im vierstimmigen Satz geht, erklärt die Fuge sowie den Generalbass.

Wer neben dem Hirn noch etwas für das Ohr tun will, ist bei »audite!« richtig. Und wer sein Gehör schult, der wird auch beim Spielen Fortschritte machen. Und bei »audite!« gibt es nichts, was man nicht hören kann: Intervalle, Akkorde, Tonleitern, Intonation, Melodien, Rhythmen. Dabei muss man jetzt aber keine Angst bekommen. Schwierigkeitsgrad und Inhalte, je nach Bedürfnis oder Anspruch, sind selbst wählbar. Auch die Lösungswege sind individuell: lieber benennen, in Noten schreiben oder auf der Klaviatur nachspielen.

Die verschiedenen Programme der »ca­pella«-Familien werden von Fachleuten ­erstellt, die in der entsprechenden Praxis zu Hause sind. Dazu gehören Musiker, ­Musikwissenschaftler, Informatiker, aber auch Eltern musizierender Kinder.

Wer sich für eines oder mehrere Produkte interessiert, muss nicht sofort tief in die Geldbörse fassen. Von allen Programmen gibt es kostenlose Demoversionen, die einen ersten Einblick in den Umfang und die Leistungsmöglichkeiten bieten. 

  • 19.12.2011
  • Test
  • Anneliese Schürer
  • Ausgabe: 1/2012
  • Seite 54-55

« zurück