"Ich musste es einfach tun..." - Josef Jiskra ist 80

Er ist einer der leiseren Protagonisten der Szene. Dennoch wird man in vielen Notenmappen seine Werke finden: Josef Jiskra wurde Anfang August 80 Jahre alt. Wie das alles kam mit der Musik, weiß er gar nicht so genau. Sein Weg war jedenfalls alles andere als vorgezeichnet, wie er im Gespräch schildert. Die Musik steckte einfach in ihm – und das tut sie bis heute.

Als Josef Jiskra im Sommer 1935 in Benátky bei Litomyšl in Ostböhmen geboren wurde, war die Welt noch beinahe in Ordnung. Anders als bei anderen Komponisten aus Böhmen war Josef Jiskras Weg allerdings alles andere als vorgezeichnet. Der Vater war zwar ein musikalischer Mensch, hatte aber aufgrund der wirtschaftlichen Lage keine Möglichkeit gehabt, ein Instrument zu erlernen. »Auch bei uns war nicht viel Geld da. Mein zehn Jahre älterer Bruder spielte Posaune, den habe ich sehr bewundert«, erinnert sich Josef Jiskra.

Jiskras musikalische Anfänge: Geige und Posaune

Der Vater habe ihn als Kind viel getragen und ihm dabei Volkslieder vorgesungen. Noch während des Krieges durfte der kleine Josef Geigenunterricht nehmen. »Nach dem Krieg war das dann allerdings vorbei, denn als die Kommunisten die Macht übernommen hatten, durfte mein Geigenlehrer keine Privatstunden mehr geben«, so Jiskra weiter.

Allerdings habe er die Möglichkeit bekommen, an der Musikschule Posaune zu lernen – das Instrument, das ihn auf seinem weiteren Lebensweg begleiten sollte und für das er seinen älteren Bruder immer bewundert hatte. Auch der ältere Bruder war allerdings kein Musik-Profi, sondern einfach nur ein guter Posaunist.

Der Traum, Komponist zu werden

Warum er selbst die professionelle Laufbahn eingeschlagen hat, weiß Josef Jiskra selbst nicht so genau. Aber nicht, weil er sich mit seinen 80 Jahren nicht mehr erinnern könnte. Die Musik steckte einfach in ihm und wurde zu einem Drang. »Mit 13 oder 14 Jahren hatte ich einen Traum«, lacht der bald 80-Jährige: »Ich träumte davon, einmal ein sehr großer Komponist und ein sehr großer Dirigent zu werden. Was soll ich sagen – ich bin nur ein kleiner Komponist und ein kleiner Dirigent geworden. Aber wissen Sie was? Ich bin zufrieden!«

  • 26.08.2015
  • Szene
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 9/2015
  • Seite 56-57

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