»Ich liebe die deutsche Sprache« - Stephen Melillo und sein tausendstes Werk

Und nicht zuletzt verbindet den Komponisten Stephen Melillo und die Verlegerfamilie Rundel aus Rot an der Rot eine langjährige Freundschaft. Kennengelernt habe man sich, erzählt Thomas Rundel, bei einer Aufführung von Melillos Werk »Godspeed!« 1998. Seit den frühen »Nullerjahren« arbeitet man eng zusammen. »Wir sind im Laufe der Zeit Freunde geworden«, fügt Stephen Melillo an. »Thomas und seine Familie haben meine Musik in Deutschland und in der ganzen Welt zugänglich gemacht. Sie sind kollegial, engagiert und ich glaube, sie wissen meine Musik zu schätzen.« Das tausendste Werk widmet Melillo der Familie Rundel: »This setting of the Lord’s Prayer is made possible by Claudia, Thomas & Stefan Rundel and is lovingly dedicated to Antonie & Siegfried Rundel.«

»Ich bete jeden Abend mit meinen Kindern.«

»The Prayer of Our Lord« ist für Blasorchester und Chor geschrieben. Als Gesangstext verarbeitete er das »Vater unser«. Musikalisch inspririert wurde Melillo bei diesem Werk vom ungarisch-amerikanischen Komponisten Miklós Rósza, den er als »meinen persönlichen Helden und Vorbild« bezeichnet. Stephen Melillo schildert eindrucksvoll, wie sein tausendstes Werk entstand: »Ich betete die Worte immer wieder in meinen Gedanken und ›hörte zu‹ . . . und schrieb nieder, was ich fühlte, wenn ich diese Wort sprach. Ich versuchte, mir die unterschiedlichen Bedeutungs-Ebenen vorzustellen, die man nur hinbekommt, wenn Musik das Gebet umschließt und erhebt. Die Musik veranschaulicht, was gefühlt wurde, als das Gebet das erste Mal (in der Bergpredigt, Matthäus 6,5 bis 15; Anm. d. Red.) gesprochen wurde . . . und welche Gefühle dabei sind, wenn wir es jeden Tag beten. Ich spreche dieses Gebet jeden Abend mit meinen Kindern und jeden Abend ist es ein ›neues‹ Gebet. Es ist tiefgründig, was Jesus uns mitteilt. Das Gebet beinhaltet große Dunkelheit und Trübsal und endet mit einem Versprechen, das sich über viele tausend Jahre erstreckt.«

  • 21.09.2011
  • Porträt
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2011
  • Seite 42-43

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