»Ich erzähle eben gerne« - Ein halbes Jahrhundert Rolf Rudin

Ludwig van Beethoven hat einmal gesagt, die abenteuerlichste Reise sei die Reise ins Innere. So hält es auch Rolf Rudin. Der Komponist gibt zu, dass »meine Reisen im Kopf stattfinden« und nicht in der Weltgeschichte. Wenn man die Werke Rudins, der am 9. Dezember 50 Jahre alt wird, hört, dann bekommt man eine Ahnung, was er meinen könnte. clarino.print besuchte Rolf Rudin zu Hause – und begab sich auf eine Reise. Durch die Zeit und ins Innere eines Komponisten.

Genau so, denkt man beim Betreten des Hauses Rudin, muss das Haus eines Komponisten aussehen: kistenweise Notenpapier, ein Stapel Partituren reiht sich an den nächsten, an den Wänden Plakate vergangener Uraufführungen. Auch der Keller platzt aus allen Nähten: Bücher, Noten, Tonträger und Aktenordner. Doch in dem vermeintlichen Chaos herrscht eine wohl durchdachte Struktur, die zumindest Rolf Rudin durchblickt. Zielstrebig zieht er aufs Stichwort Partituren von Mahler oder Schönberg aus dem Regal, holt Zeitungsausschnitte mit Konzertrezensionen hervor und weist auf Tonträger, die Einspielungen seiner Werke enthalten. Der Schreibtisch ist erstaunlich aufgeräumt. Und so ähnlich könnte es im Innern des Komponisten aussehen. Es mögen tausende Ideen sein, die ihm durch den Kopf gehen. Doch die sind wohl geordnet, sozusagen in Kisten verpackt. Es gibt unzählige mögliche Einflüsse für ein neues Werk. Doch die sind strukturiert, sozusagen in Aktenordnern verstaut. Und der Schreibtisch ist erstaunlich aufgeräumt. »Manchmal muss man sozusagen die Festplatte freischaufeln, um Platz für Neues zu schaffen«, beschreibt Rudin bildhaft. Kein Komponist will ja als Kopie seiner selbst in den Geschichtsbüchern landen.

  • 24.11.2011
  • Porträt
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2011
  • Seite 24-27

« zurück