Holzbläserkolumne »Holzwurm«: Über Ranglisten und Unverwechselbarkeit

Vor kurzer Zeit bin ich beim Lesen einer Zeitschrift wieder einmal über eine Rangliste der besten Orchester der Welt gestolpert. Unter den Top 5 befand sich neben den Berliner Philharmonikern und dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter anderen auch mein Orchester, die Wiener Philharmoniker.

Sehr oft wurde und werde auch ich gefragt, ob denn die Wiener Philharmoniker das beste Orchester der Welt wären. Kann man diese Frage seriös beantworten? Macht es überhaupt Sinn, diese Frage zu stellen? Sind derartige Rankings denn eigentlich notwendig und sinnvoll?

Der Drang zur Kategorisierung

Grundsätzlich ist zu sagen, dass wir Menschen allem Anschein nach dazu tendieren, alles in irgendeiner Weise kategorisieren und bewerten zu müssen. Gerade jetzt, wo wieder ein Jahr sich dem Ende neigt, wimmelt es nur so von Ranglisten und Fernsehshows über die besten, die witzigsten, die bewegendsten, die schlimmsten, die schönsten... Momente des abgelaufenen Jahres.

Schubladendenken und Polarisierung ist Zeitgeist. Auch Musik muss immer in Schubladen und Kategorien gesteckt werden (Stichwort: E- und U-Musik!), wobei hier für mich die einzige gültige Kategorisierung »gut« und »schlecht« heißen sollte.

Im Übrigen gibt es die Unterscheidung zwischen E- und U-Musik nur in der deutschen Sprache, in keiner anderen Sprachlandschaft existiert diese Einteilung.

  • 14.12.2017
  • Kolumne
  • Matthias Schorn
  • Ausgabe: 12/2017
  • Seite 21

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