Holzbläserkolumne »Holzwurm«: Auswendig spielen?

Mit meiner Formation »Faltenradio« (www.faltenradio.com) darf ich nun schon seit mehr als zehn Jahren verschiedenste Wirtshäuser, Klassikfestivals, Clubs und Konzerthäuser zwischen Hamburg und Bozen bespielen, von Anfang an haben wir dies auswendig getan.

Auch Mozarts einzigartiges Klarinettenkonzert oder Debussys wunderbare »Première Rhapsodie« und einige andere Solowerke spiele ich sehr gerne ohne Noten. Immer wieder werde ich gefragt, wie man sich das alles merken könne und ob ich hierfür vielleicht Tipps parat hätte. Der aktuelle »Holzwurm« ist der Versuch, mich mit den Fragen zum Thema »Auswendigspielen« auseinanderzusetzen.

»Gib einfach die Noten weg.«

Beginnen darf ich mit einem Zitat meines verehrten Kollegen und Freundes Thomas Gansch, der mit seiner Formation »Mnozil Brass« nicht nur in Sachen Auswendigspiel völlig neue Maßstäbe gesetzt hat. Als ihn ein junger Trompeter bei einem Workshop fragte, wie man denn auswendig spiele, antwortete Thomas mit den Worten: »Gib einfach die Noten weg.«

Wie so oft trifft er hier den Nagel auf den Kopf, denn tatsächlich ist es auch beim Auswendigspiel so, dass der erste und wichtigste Schritt jener ist, sich zu allererst zu trauen, das Notenpapier wegzulegen, um ganz bewusst auch sogenannte »falsche« Töne in Kauf zu nehmen.

Nun ist natürlich nicht jeder von uns ein Jahrhundertmusiker wie Thomas Gansch, und trotz guten Mutes mag dies nicht sofort gelingen. In meinem persönlichen Fall bin ich im klassischen Bereich ins Auswendigspielen etwas »hineingestolpert«.

  • 11.10.2018
  • Praxis
  • Matthias Schorn
  • Ausgabe: 10/2018
  • Seite 21

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