Hochwertig und professionell - Jupiter-Klarinette in Bb »JP-1439S«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2011
  • Seite 30-31

Der Name des Instrumentenherstellers Jupiter steht – so verrät auch die Homepage der Firma – weltweit für eine der stärksten Marken im Bereich Blasinstrumente – von der Pikkoloflöte bis zur Tuba. Wir machen uns einmal Gedanken über den Namen. Jupiter nämlich war die oberste Gottheit der Römer, Blitz und Donner wurden ihm zugeschrieben. Im römischen Kult verdrängte er den ursprünglich sehr hoch verehrten Kriegsgott Mars auf den zweiten Platz und wurde als Vater der Götter und Menschen aufgefasst. Ein durchaus passender Name für Musikinstrumente. Und der volle Name war eigentlich Jupiter Optimus Maximus. Gut, mit einem solchen Namen würde sich ein Instrumentenhersteller recht weit aus dem Fenster lehnen – nichtsdestotrotz ist es der Anspruch der Firma, Instrumente von höchstmöglicher Qualität anzubieten.

Der Redaktion bzw. der Testerin Martina Beck, Klarinettistin an der Bayerischen Staatsoper in München, lag eine Sortimentserweiterung der »Deutschen Klarinette« der Firma Jupiter vor. Ihr Name: JP-1439S. Man kann nicht von vorneherein aufgrund der Klappen- und Ringeanzahl zwischen Schüler- und Solistenmodellen bei den Klarinetten unterscheiden, wobei dieses Merkmal natürlich zur Unterscheidung beiträgt. Doch es gibt mehrere Aspekte, die eine gute Klarinette ausmachen.Der wichtigste Aspekt, der ein gutes Instrument von einem weniger guten unterscheidet, ist das Material. Zumal der Holzblasinstrumentenbauer beim Holz auch auf natürliche Gegebenheiten Rücksicht nehmen muss (es sei denn, er baut Saxofone). Schon die Auswahl des Rohholzes ist eine Wissenschaft für sich, denn der Baum hat in der Regel noch recht wenig mit den Eigenschaften einer Klarinette gemeinsam. Der Korpus der vorliegenden JP-1439S ist aus gründlich abgelagertem und tadellosem Königsgrenadillholz – ungebeizt – gefertigt. Grenadill gehört zu den schwersten Hölzern mit einer sehr hohen Dichte, die dafür sorgt, dass die Klarinette einen typisch warmen Klang hat. Das Holz wird sorgfältig getrocknet, was für gute angehende Klarinetten viel Zeit in der Trockenkammer bedeutet. Manchmal wird aus Zeitersparnisgründen auch nachgeholfen: Im Abluftverfahren wird dem Holz die Feuchtigkeit entzogen. Der zwangsweise getrocknete Rohstoff steht allerdings im Verdacht, in seinen klanglichen Eigenschaften und seiner Robustheit nicht an die langsam und schonend getrockneten Hölzer heranzureichen. Aus Kostengründen gibt es auch Klarinetten, deren Schallbecher aus Kunststoff gefertigt ist oder bei denen der komplette Korpus aus Kunststoff ist – klanglich hochwertige Klarinetten sind aus Holz. Und gutes Material und professionelle Verarbeitung gewährleisten eine hohe Lebensdauer.

Die Tonlöcher der Klarinette sind unterschnitten. Bei einfachen Instrumenten werden Tonlöcher oft zylindrisch gebohrt. Bei hochwertigeren Instrumenten werden die Tonlöcher teilweise unterschnitten. Beim Unterschneiden erweitert der Instrumentenbauer das Tonloch nach innen. Durch das Unterschneiden wird das Intonationsverhalten sowie die Ansprache der Klarinetten entscheidend verbessert.Der nächste Blick der Testerin Martina Beck gilt der Ausstattung mit Klappen und Ringen. Dieses Merkmal belegt, dass es sich nicht um ein Anfängermodell handelt. Die Klarinette wartet mit 24 Klappen und fünf Ringen auf. Im Vergleich zu Schülermodellen mit weniger Klappen hat eine Klarinette wie die »JP-1439S« wesentlich mehr Möglichkeiten zur Intonationskorrektur – und verlangt natürlich auch von ihrem Spieler erheblich mehr Fingerfertigkeit. Beim vorliegenden Instrument in deutscher Bauweise kommt das Oehler-System zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine der letzten größeren (und bei den Spielern weitgehend angenommene) Entwicklung von etwa 1900. Oskar Oehler versetzte das Tonloch des rechten Mittelfingers an die Seite des Instruments. Es handelt sich also um Modifikationen am Klappensystem, die verschiedene Töne verbessern. (Das noch weiter modifizierte Voll-Oehler-System haben Instrumente mit zusätzlicher Klappenmechanik.)

Ferner ist die Klarinette mit Gabel-B, Gabel-F, H/Cis-Triller, F-Heber, Es-Heber, Hoch-E-Mechanik, doppelter C-Klappe und Duodezim-Verbindung ausgestattet.Die Aus- und Verarbeitung der Mechanik lässt wenig zu wünschen übrig. Die versilberte Neusilber-Mechanik ist passgenau verarbeitet, das Seitenspiel sehr gut eingestellt. Einziger kleiner Mangel ist die unterschiedliche Einstellung der Federkraft bei den Klappen. Denn manche Klappen erfordern einen deutlich höheren Kraftaufwand, damit die »volle Deckung« gewährleistet wird. Andernfalls leidet hierunter die Ansprache, wie die Testerin festgestellt hat. Dies dürfte aber aus instrumentenbautechnischer Sicht recht leicht zu beheben sein.Zur Standardausrüstung gehört der verstellbare Daumenhalter mit einem Ring für die Trageschnur. Ausgeliefert wird das Instrument mit zwei Birnen. Die Gewebeblattschraube bekommt von der Testerin ein Sonderlob. Verpackt ist das Instrument in einem Holzkoffer in edlem Design-Etui. Hier ist es gut untergebracht. Der Koffer ist seinerseits noch einmal in einem gepolstertes Nylon-Etui verstaut. Hier geht die Firma Jupiter also auf Nummer Sicher. In das Nylon-Etui passt dann noch Zubehör wie Noten oder Putzutensilien. Das Etui ist zudem mit einem Gurt bequem zu tragen.

Einzig das mitgelieferte Mundstück, so die Testerin, werde der Klasse der Klarinette nicht gerecht. Zwar ist die Testerin vom vorliegenden Instrument recht angetan, doch ist sie sich sicher, dass »ein besseres Mundstück das Instrument – vor allem im Klang, aber auch in der Intonation – deutlich verbessern« würde. Das Instrument ist alles in allem als »recht ordentlich« einzustufen. »Es liegt sehr gut in der Hand, ist durch die verschiedenen Register sehr ausgewogen. Es klingt gut und spricht sehr gut an.« Lediglich das tiefe F kommt nicht so sehr gut weg.Das neue Modell der Deutschen Klarinette »JP-1439S« aus dem Hause Jupiter ist eine sehr gute Wahl für ambitionierte Amateur-Klarinettisten etwa in Musikvereinen. Sie erhalten professionelles Material für einen recht günstigen Preis. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1784 Euro ist das Preis/Leistungs-Verhältnis sehr gut.

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