Henning Wiegräbe - Vielseitigkeit ist Trumpf

  • 17.04.2013
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2013
  • Seite 40-42

Henning Wiegräbe hat viel zu tun. Gestern Prüfung in Stuttgart, heute Aufnahmen in München, morgen wieder an die Uni. Für die Pressearbeit in einem Münchner Café nimmt er sich trotzdem viel Zeit. Im Mittelpunkt des Gesprächs: Nie er selbst. Immer sein Instrument und natürlich die Musik. Henning Wiegräbe hat eine sehr angenehme Erzählstimme. Passt doch zum Instrument.

CLARINO: Beim Anschauen der Pressefotos kam bei mir die Frage auf: Welcher ist denn nun der echte Henning Wiegräbe? Der mit Lederjacke und Jeans oder der mit Krawatte und Jackett?

Henning Wiegräbe: Ich richte mich danach, in welcher Umgebung ich bin, wo meine Konzerte sind. Wenn ich im klassischen Konzert auftrete, trete ich im Frack oder im Anzug auf. Das wäre doch in einem Jazzclub ein bisschen seltsam. Und wenn ich mit meinen Kindern auf den Fußballplatz gehe, trage ich keinen Anzug. 

Sie sind als Posaunist im Jazzfach unterwegs und als Posaunenprofessor sowie mit dem Ensemble »City Brass Stuttgart« eher in der klassischen Richtung. Gibt es Grenzen für Sie oder sind Sie bewusst ein »Grenzgänger«?

Der Schwerpunkt der Posaune liegt natürlich im Orchester. Dort ist das Hauptrepertoire die Spätromantik und dann geht es in alle Richtungen. Es stellt sich dann die ­Frage, was es für interessante Musik für Posaune gibt? Mozart hat etwas für Po­saune geschrieben – leider war es der Vater – Haydn hat etwas für Posaune geschrieben – leider war es der Bruder – Brahms hat leider keine Kammermusik für Posaune geschrieben. Dann kann man natürlich sagen, das ist eben so, dann spiel ich eben nicht. Oder ich spiele dann ausschließlich Be­arbei­tungen. Oder aber man überlegt, wo Literatur ist, in der die Posaune auch etwas zu sagen hat. Das macht mir Spaß und es ist als Hochschullehrer auch meine Auf­gabe, dies ein bisschen auszuloten. In der Alten Musik gibt es unglaublich viel anspruchsvolle, schöne Musik mit Posaunen und dann natürlich Stücke aus dem 20. Jahrhundert. Die meisten Dinge, die im 20. Jahrhundert für die Posaune geschrieben wurden, wurden initiiert durch den Jazz. Viele zeitgenössische Komponisten haben gemerkt, dass es im Jazz viele tolle Solisten gibt. Wenn man die ersten Werke sieht, in denen im ­Orchester auch solistische Dinge vorkamen, hatte das ganz oft etwas mit Jazz zu tun.

« zurück