Henk van Lijnschooten: »Interruptions for Wind and Percussion«

Kurz vor Ende seines Jubiläumsjahres soll Henk van Lijnschooten nicht vergessen werden. Der auch pädagogisch sehr aktive Niederländer wäre im vergangenen Frühjahr 90 Jahre alt geworden. Seine zahlreichen Volkslied-Rhapsodien wurden ebenso zu Klassikern des Repertoires wie die von der Popmusik beeinflussten Kompositionen, die er unter dem Pseudonym Ted Huggens verfasste.

Der Komponist Henk van Lijnschooten

Zu Beginn der 1970er Jahre hatte der Molenaar-Verlag die Stücke von Ted Huggens mit dem Zusatz »direkt aus den USA« beworben. Niemand zweifelte damals daran, dass der damals führende europäische Blasmusikverlag einen weiteren Komponisten von der anderen Seite des Atlantiks für sich hatte gewinnen können. In den USA waren damals schon viele innovative Blasmusikwerke entstanden, und warum sollten da nicht auch Werke darunter sein, in denen Formen aus Barock und Klassik mit melodischen Elementen der Popmusik kombiniert wurden?

Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis bekannt wurde, dass Ted Huggens gar kein Amerikaner war. Er wohnte auch nur gut 100 Kilometer südlich des Verlagsortes Wormerveer im Großraum Rotterdam und war ­unter seinem echten Namen Henk van Lijnschooten bereits mit zahlreichen Werken im Verlagskatalog vertreten.

Interruptions for Wind and Percussion

Als Auftragswerk des »Amsterdams Fonds voor de Kunst« schrieb Henk van Lijnschooten 1978 für Fanfareorchester die fünfteilige Suite »Stromingen«. Dort sollte die musikalische Entwicklung in Rhythmik, Tonalität und Notation im Laufe der Jahrhunderte dargestellt werden.

Die beiden letzten Teile, in denen es um neueste musikalische Entwicklungen ging, instrumentierte er neu für sinfonisches Blasorchester und veröffentlichte sie ein knappes Jahrzehnt später unter dem Titel »Interruptions«.

Im ersten Teil »Chorale and Cadenza« griff der Komponist auf ein Mittel zurück, das er in seinen pädagogisch orientierten Werken immer wieder gerne verwendet hat. Es geht um das Unisono-Spiel – entweder im Tutti oder zumindest in mehreren Registern. Begonnen wird mit einer choralartigen Melodie in regelmäßigen Quartfolgen, die von schrillen, polytonalen Akkorden unterbrochen wird (daher der Name »Interruptions«).

  • 22.10.2018
  • spielBAR
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 10/2018
  • Seite 60-62

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