Helmut Eisel über Mozart, Blockflöte und Kommunikation

Nach der erfolgreichen Durchführung von »Clarinet & Friends« 2015 und 2016 in Mühlhausen wird dieses außergewöhnliche Musikfestival auch im Jahr 2017 stattfinden, und zwar vom 8. bis 11. Juni.

»Clarinet & Friends«

Das Projekt »Clarinet & Friends« verspricht nicht nur Musikgenuss rund um Klassik, Tango, Jazz und Klezmer auf Weltniveau, sondern verwandelt eine ganze Stadt in eine Bühne und macht Bürger und Gäste zu akustischen Hauptdarstellern.

Rund um die Idee, Musik als Kommunikation zu ver­stehen, bietet das Wochenende ein facettenreiches Festivalprogramm in Mühlhausen. Neben Konzerten werden Workshops und ein touristisches Rahmenprogramm geboten. Wir sprachen mit dem musikalischen Leiter und Klarinettisten Helmut Eisel.

Im vergangenen Jahr stand das Festival unter der Überschrift »Musik als Kommunikation«. Gibt es diesmal ein Motto? Ich vermute nicht, dass die Kommunikation außen vor bleibt…?

Aber nein – Kommunikation ist einfach die grundlegende Idee dieses Festivals. Wir präsentieren nun zum dritten Mal Gruppen, die uns auffallen, weil sie eine besonders intensive Kommunikation mit dem Publikum aufbauen, und wir bieten Workshops mit diesen Gruppen an. Im vergangenen Jahr hatten wir die Kommunikation mit osteuropäischen und israelischen Musikern im Fokus, in diesem Jahr kommunizieren wir schwerpunktmäßig mit Flöten.

Herr Eisel, Sie schreiben auf Ihrer Webseite, die Blockflöte sei »Rock ’n’ Roll pur« und Sie spielen damit auf das Trio »Wildes Holz« an. Mal Hand aufs Herz: Wann haben Sie das mit der Blockflöte gemerkt? Etwas provokant: Das ist doch ein Kinderinstrument!

Na ja, das ist ja erst mal nichts Schlechtes, wenn Kinder Musik machen. (lacht) Der erste Zugang zur Blockflöte ist einfach, und das Instrument ist leicht herzustellen. Deshalb die Verwendung als Kinderinstrument. Ich bin ja selbst leidenschaftlicher Klarinettist seit meinem vierten Lebensjahr – und musste damals doch erst mal Blockflöte lernen, bis meine Finger für die Klarinette groß genug waren. Fünf lange Jahre!

Wenn ich mir nun Tobias Reisige von »Wildes Holz« anhöre – das hat mit meinem Kinderflötenunterricht aber sowas von gar nichts zu tun. Eine andere Welt! Und ein riesiges Potenzial, das man entdecken kann, wenn man sie aus der üblichen Schublade befreit. Die Blockflöte rockt – man muss sie nur lassen.

Richard Wagner hat mal gesagt: »Musik ist die Sprache der Leidenschaft.« Und am Samstag geht es um das Thema »Verführung« – was dürfen wir da erwarten?

Ja – wir sind nicht die ersten, die es toll finden, mit Musik zu kommunizieren. »Sprache der Leidenschaft« – das trifft es doch! Auch Mozart liebte das Thema schon und nahm sich deshalb den Verführer Don Juan als Vorbild für seine Oper »Don Giovanni« – vier Jahre, bevor er sein wunderbares Klarinettenkonzert für mich schrieb. (lacht)

  • 22.02.2017
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 48-49

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