Helmut Eisel über Kommunikation

»Talking Clarinet« (Sprechende Klarinette) mutet fast als Künstlername von Helmut Eisel an. Er macht auch keine Musik, sagt er. Die Musik sei ja bereits da. Er überträgt sie auf sein Instrument, um sie mit den Zuhörern zu teilen. Helmut Eisel kommuniziert. Und genau darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Herr Eisel, was fällt Ihnen zu diesem Zitat von Victor Hugo ein: »Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.«

Dem kann man nur bedingungslos zustimmen. Mit Musik kann man auf einer Ebene Menschen ansprechen, auf der er sich weit jenseits des einfachen logischen Denkens befindet.

Von E.T.A. Hoffmann stammt »Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.«

Auch das kann man bestätigen. Aber es gibt auch den umgekehrten Integrationsfall. Dass Musik eigentlich die ursächlichere Form der Kommunikation ist. Schon das Kommunikationsbedürfnis eines Babys kann man im weitesten Sinne als Musik sehen. Kommunikation war anfangs viel mehr als der geistige Inhalt, den wir heute oft als das Wichtigste der Kommunikation ansehen.

»Musik ist die Sprache der Leidenschaft.« Das stammt von Richard Wagner.

Das passt natürlich zu Richard Wagner. Ich würde sagen: »Musik ist eine Sprache der Leidenschaft.« Denn Leidenschaft kann man auch anders ausdrücken – wenn vielleicht auch nicht ganz so schön wie mit Musik. Und Musik ist auch nicht nur die Sprache der Leidenschaft. Musik ist universeller.

Vom amerikanischen Dirigenten Leopold Stokowski ist das Zitat überliefert: »Es ist nicht erforderlich, Musik zu verstehen. Man braucht sie nur zu genießen.

Das ist richtig, so lange sie sich an die Position des normalen Musikhörers richtet. Ein Musikkritiker wird das vermutlich anders sehen. Wenn man vom Fachwissen her analysiert, können sich manche Kritiker nicht erklären, wie da gerade ein Bezug zum Publikum hergestellt wird. Das ist mir kürzlich in einer Rezension passiert. Da hat der Kritiker völlig fassungslos festgestellt, dass es dem Publikum gefallen hat. (lacht)

  • 30.04.2015
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2015
  • Seite 48-50

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