Hätte Platon das gewusst... - Die Academica-Serie von Schagerl

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2011
  • Seite 20-23

Eine Akademie, weiß das Lexikon, ist eine Anstalt zur Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Studien. Der Name leitet sich vom Ort der Philosophenschule des Platon ab, die sich beim Hain des griechischen Helden Akademos in Athen befand. Jener Akademos rettete einst Athen vor der Zerstörung. Die Firma Schagerl hat die Academica-Reihe 2010 komplett neu aufgelegt und setzt sie mit den zum Test vorliegenden Trompetenmodellen fort. Ob die Modelle der Academica-Reihe ihre Spieler retten, liegt zwar nicht allein in deren Macht, doch Schagerl bietet damit die bestmöglichen Voraussetzungen für die ersten Schritte auf dem Weg zum erfahrenen Musiker. Für Spieler jeden Levels ist ein Modell dabei, wie der Test zeigt.

Der Redaktion lagen zum Test insgesamt vier B-Trompeten der Academica-Serie vor. Diese sind im Großen und Ganzen baugleich, unterscheiden sich aber durch Oberflächen-Finish und Schallstück-Durchmesser. Die Namen der Instrumente: TR-610L, TR-600S, TR-620L und TR-650S.Die Instrumente sind, so der österreichische Hersteller, »eine Synthese aus Handwerk und Leidenschaft« und soll einen jungen Musiker unterstützen, begleiten und Spielfreude in ihm wecken. Auch preislich – für die Instrumente gelten UVP zwischen 590 und 940 Euro – zielt der Hersteller in den Bereich der soliden Einsteigerklasse. Und soviel sei vorweggenommen: Das Preis/Leistungs-Verhältnis wird sowohl vom handwerklichen als auch vom instrumentalen Tester für alle Test-Instrumente mit »sehr gut« benotet.

Jedes Instrument wird mit Öl, Zugfett und Mundstück ausgeliefert. Zur Standardausstattung gehört zudem das Etui. Der Koffer bzw. das Light-Case überzeugt mit viel Platz im Innenraum (zum Beispiel für einen Notenständer oder Ähnliches) und ein großes Außenfach für Noten. Praktische Rucksackgurte ergänzen den guten Eindruck.Dem Metallblasinstrumentenmachermeister fallen beim Anblick der Trompeten sofort die beiden »extravaganten« Stützen im Stimmbogen ins Auge. Ein Blickfang sind auch die für Schagerl bekannten vieleckigen Schraubdeckel an den Ventilbüchsen sowie die eckigen Drückerknöpfe auf den drei Périnetventilen. Das – wie auch eine sehr lang gezogene Mundstückaufnahme – kennt man aus der Profitrompetenserie des österreichischen Herstellers. »Die Oberfläche ist tadellos poliert und macht einen wirklich tollen Eindruck«, schwärmt der Tester.

Der handwerkliche Tester geht im nächsten Schritt ans Eingemachte. Genauer gesagt: die Maschine. Diese ist für alle vier Modellvarianten gleich gebaut. Mit einer Bohrung von 11,68 mm wird das Instrument als ML (Medium-Large) eingestuft, wie es für die Einsteigerklasse Standard ist. Drei präzise eingehohnte Monelventile werden durch eine Plastikführung mit zwei Führungsnasen stabil in den Messingbüchsen geführt. Die sehr leise laufende Feder befindet sich oberhalb der Plastikführung und ist in einer Messingbuchse eingelassen, in die ein Aluminium-Stößel (Drückerstange) geschraubt ist. Die weichen Filzanschläge bieten dem Bläser einen angenehmen Druckpunkt für die Ventile und tragen ebenso zum sehr geräuscharmen Ventillauf bei. Die angelöteten Außenzüge aus Neusilber sind am Ende umgebördelt, womit ein Einreißen oder Ausfransen der Zugrohre vermieden werden soll. Alle Züge laufen – wie die Ventile auch – einwandfrei und sind absolut parallel zusammengelötet.

Der Ring am 3. Zug und der Zugsattel am 1. Zug sind angenehm positioniert und schneiden durch die weichen Kanten nicht ein. Der dritte Zugbogen und der Hauptstimmbogen des Instruments sind mit einer deutschen Wasserklappe ausgestattet. Die schon oben angesprochenen beiden Stimmbogenstützen sind sehr massiv angelegt. Allerdings sind die Stützenplatten im Verhältnis eher klein und schmal – hier wäre vielleicht eine größere Auflage vorstellbar, um eine bessere Lötverbindung (Stabilität) herzustellen. So nämlich ist dies bei den zwei Stützen von Mundrohr auf Ventilstock und Schallbecher auf Ventilstock gelöst. Hier zeigt sich, dass der Hersteller seine handwerkliche Erfahrung aus der Werkstatt bei der Gestaltung des Instruments mit eingebracht hat. Gebrochene Lötstellen, die aus zu klein gewählten Stützenplatten resultieren, hat der Tester nämlich oft erlebt. »Hier kann Schagerl einen deutlichen Pluspunkt verzeichnen.« Insgesamt betrachtet ist das Instrument handwerklich sehr schön gelungen. Die Bauteile sind alle sehr genau aufeinander abgestimmt und in sich parallel und symmetrisch zusammengesetzt. Lötstellen und Oberfläche bestechen durch tadellose Sauberkeit.

Das Schallstück des Modells TR-610L endet in einem Durchmesser von 123 mm und ist aus Messing gefertigt. Die Oberfläche ist lackiert (deshalb das L im Namen). Das Mundrohr besteht aus Goldmessing.Beim Modell TR-600S hat das Schallstück ebenfalls einen Durchmesser von 123 mm und ist ebenfalls aus Messing. Hier ist die Oberfläche versilbert (deshalb das S im Namen), das Mundrohr ist aus Messing gefertigt. Aus Goldmessing ist das Schallstück der TR-620L gefertigt, dieses hat einen Durchmesser von 127 mm. Aus dem gleichen Material ist auch das Mundrohr. Die Oberfläche ist lackiert (auch versilbert erhältlich).Das Modell TR-650S ist wie die TR-620L mit einem 127-Millimeter-Schallstück aus Goldmessing ausgestattet. Das Mundrohr ist bei diesem Instrument aus Sterlingsilber gefertigt, die Oberfläche ist versilbert (auch lackiert erhältlich).Die Instrumente liegen sehr schön in der Hand, der Schwerpunkt ist leicht nach vorne gerichtet. Zugring und Fingerhaken geben ein angenehmes Haltegefühl. Die Instrumente werden unter Anleitung der Firma Schagerl/Austria in Taiwan gefertigt und werden mit einzelnen Bauteilen aus der österreichischen Produktion ergänzt.

Der instrumentale Tester – selbst Musikpädagoge für Blechbläser – bestätigt mit seinen Ergebnissen das Vorhaben der Firma Schagerl, jungen Musikern ein gutes Instrument an die Hand zu geben. Eine einzige Note bei insgesamt 32 vergebenen ist »nur« befriedigend. Alle anderen sind mindestens gut, überwiegend sogar »sehr gut«. Der eine Ausreißer – wenn man davon überhaupt sprechen kann – bezieht sich auf den »spontanen Wohlfühlfaktor« des Modells TR-620L. Das bedeutet aber lediglich, dass der Tester nicht gleich vom ersten Ton an zufrieden war. Die übrigen guten Noten attestieren auch hier gute Arbeit.

Besonders positiv fällt dem Musiker zuerst der Koffer auf. Der nämlich ist nicht nur äußerst praktisch – wegen des großen Stauraums für Noten und Zubehör – und zweckmäßig – wegen der sicheren Unterbringung des Instruments und der ergonomisch geformten Tragegriffe sowie der Rucksackgurte –, sondern auch noch ein echter Blickfang. Auf dem dunklen, schwarzen Nylon prangt unübersehbar und knallrot das Schagerl-Logo. Extralob erhält zudem das angenehme Gewicht der Instrumente – ein nicht zu unterschätzendes Kriterium für junge Musiker.Ebenfalls positiv erwähnt der Tester die Schrauben an den Ventilen. Diese nämlich sind leicht auf- und zuzuschrauben. Kritisch sieht der Tester die Wasserklappen, die nach seinem Geschmack zwar sehr leicht bedienbar, doch wegen der geringen Spannung sehr sensibel sind. »Die Ventilknöpfe sehen sehr edel aus«, attestiert Martin Wiblishauser. Seine Sorge ist lediglich, dass die Versilberung bzw. der Lack sich abgreifen könnte. Die Bestnote erhalten alle Modelle für die einwandfreie Maschine.

Zu den Instrumenten im Einzelnen: Das Modell TR-610L bezeichnet die Firma Schagerl als »schickes Klangwunder«, eine Bezeichnung, die der instrumentale Tester bestätigen kann. »Trotz einfachstem Material bringt das Instrument sehr passenden Klang hervor.« Das Goldmessing-Mundrohr ermöglicht einen runden, sonoren Klang. Das Instrument dürfte sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet sein, die einen klaren, strahlenden Sound erreichen wollen. Der Klang ist zudem besser modifizierbar als beim Modell TR-600S. Oberhalb des fis2 wird er zudem enger. Neben dem Klang erhalten auch die Ansprache und die Intonation die Note »gut«. Da der Ton sich hervorragend mit anderen Instrumenten mischt, dürfte das Instrument für kleinere Bläsersektionen in Bands (Satzspiel) geeignet sein. Und auch im Blasorchester wird diese Trompete seine Freunde finden.

Aller Anfang ist schwer? Muss nicht sein. Mit der TR-600S ist aller Anfang sogar leicht – zumindest kann der Musiker die Probleme nicht mehr auf sein Instrument schieben. Diese Trompete wurde laut der Firma Schagerl für junge Musiker entwickelt, die den klaren, reinen Ton lieben, aber auch gern etwas Brillanz ins Spiel bringen wollen. Die Versilberung in Verbindung mit dem Messing-Mundrohr ermöglicht das. Der instrumentale Tester bestätigt diese Einschätzung, hält das Instrument besonders für Bläser mit wenig Übeaufwand geeignet. Musiker in kleineren Orchestern, Kapellen oder Ensembles dürften die TR-600S lieben. Ansprache wie Intonation erhalten gute Noten, auch der Klang schneidet gut ab. Bei lautem Spiel allerdings ist die klangliche Bandbreite etwas eingeschränkt, die Trompete neigt zu rauem, blechernem Klang. Auch hier klingt es ab dem fis2 weniger offen

.Negativ fällt dem Tester bei der TR-610L und der TR-600S auf, dass der Ring am 3. Zug nicht verstellbar ist. Das ist natürlich nicht per se ein Problem, doch für Kinder könnte das unter Umständen unvorteilhaft sein. Beim Mundstück rät Wiblishauser dem Spieler, die für sich individuell beste klangliche Lösung zu suchen. Denn nicht zwingend ist das mitgelieferte 7C die beste Schülerlösung.Wer den weichen Klang sucht, dürfte mit der TR-620L sein Instrument gefunden haben. Dem instrumentalen Tester erscheint die Trompete durch das Material Goldmessing – beim Schallstück und beim Mundrohr – »zu brav«. Das erklärt das erwähnte »befriedigend« beim spontanen Wohlfühlfaktor. Die Trompete ermöglicht einen runden, weichen Klang, was aber gleichzeitig bedeutet, dass dieser dahingehend eingeschränkt ist. Allerdings, räumt der Tester ein, sei gerade der Klang bzw. welchen Klang man mag, eine recht subjektive Angelegenheit. Anfänger und fortgeschrittene Bläser mit geringem Übeaufwand sind hier richtig. Auch die TR-620L klingt ab dem fis2 weniger offen.Optisch am edelsten kommt das Modell TR-650S daher. Und auch musikalisch setzt die Firma Schagerl mit diesem edlen Individuum noch einmal einen drauf. Allerdings ist die TR-650S auch das »teuerste« Modell der Academica-Reihe bzw. der Instrumente, die der Redaktion zum Test vorlagen. Doch »teuer« ist relativ. Mit 940 Euro (UVP) bewegt sich das Instrument immer noch im Rahmen. Zumal man wegen der handwerklichen Qualität davon ausgehen kann, dass das Instrument den Musiker recht lange begleitet.

Die Trompete 650S dürfte für den fortgeschrittenen Bläser geeignet sein, sofern er über einen guten Ansatz und eine gute Atemtechnik verfügt. Wessen Ziel ein großer, klarer Orchesterklang ist, der dürfte mit diesem Instrument fündig werden. Durch das Mundrohr – gefertigt aus hochwertigem Sterlingsilber – bekommt der Musiker ein sehr offenes Spielgefühl. Daraus resultiert der »große Sound«. Für das leise Spiel allerdings braucht dieses Instrument schon ein wenig Übung. Es ist nicht ganz einfach, hier klanglich differenziert zu spielen. Beim lauten Spiel hingegen sind keine klanglichen Grenzen gesetzt. Und im Gegensatz zu den anderen drei Modellen bleibt bei der TR-650S der Klang auch in höheren Lagen offen. Die logische Note: »sehr gut«. Die Ansprache und die Intonation schneiden »gut« ab.Die Instrumente TR-620L und TR-650S werden mit dem Mundstück 3C geliefert, und auch hier rät Wiblishauser dem Spieler, auszuprobieren. »Das 3C kann unter Umständen zu offen sein.«

Fazit

Der Firma Schagerl ist mit der neu aufgelegten Reihe Academica ein Volltreffer gelungen. Dass mit diesen Instrumenten – in der Reihe gibt es zudem Taschentrompeten, Kornette und Posaunen – künstlerische Studien durchgeführt werden können, wird mehr als deutlich. Ob der Erfolg sich einstellt, liegt immer auch am Spieler selbst, doch mit der Academica-Reihe ist dieser ein gutes Stück näher gerückt. Übrigens war Platon, der »Urvater« der Akademie, kein großer Freund geblasener Musik, heißt es. Bestimmt wäre er mit den getesteten Instrumenten zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Die Tester

Martin Wiblishauser studierte nach seinem Wehrdienst beim Luftwaffenmusikkorps 1 Neubiberg am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg und an der Hochschule für Musik München Trompete, bevor er seine Studien im Fach Blasorchesterleitung am Bruckner-Konservatorium in Linz (Oberösterreich) aufnahm. Er vervollkommnete seine Kenntnisse in London und ist als Musikpädagoge für Blechbläser und Blasorchester im süddeutschen Raum und im Ausland tätig.

Dominikus Schmelzer machte seine Berufsausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher bei Wenzel Meinl in Geretsried, wo er auch ein weiteres Gesellenjahr im Tuben-, Cimbasso- und Basstrompetenbau ablegte. Er erlangte 2004 den Meisterbrief zum Metallblasinstrumentenmacher und ist heute Geschäftsführer des Musikhauses Frei in Marktoberdorf.

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