gunther pohl - über flöten, männerdomänen und den zug der zeit

Nein, schmunzelt Gunther Pohl, er leide nicht darunter, dass er als Mann Flöte spiele, ein Instrument, das landläufig als »Mädcheninstrument« tituliert wird. Aber die Entwicklung zeige schon in gewisser Hinsicht: »Flötisten sterben aus.« Dass so viele Mädchen Flöte spielen rühre auch daher, dass dieses Instrument dem Klavier so ein bisschen den Rang als »Instrument der höheren Tochter« abgelaufen hat.

Soloflötist Gunther Pohl ist mit Leib und Seele Bamberger Symphoniker (»Ich wollte nie die Bamberger verlassen«) und ein überaus freundlicher Mensch. Ressentiments gegenüber anderen hat er nicht. Er registriert natürlich, dass weibliche Flötisten in der Mehrheit sind – vor allem in seiner Lehrtätigkeit merkt er das, denn in seiner aktuellen Klasse sind ausschließlich Frauen. Aber Pohl registriert das mit einem Schulterzucken: »Die Entwicklung ist eben so.« Und das sei ja nicht nur bei der Flöte der Fall. Ob Schlagzeug oder tiefes Blech – es gebe eben kaum noch Männerberufe. Ganz genauso wie außermusikalisch: »Es gibt ja auch U-Bahnführerinnen.« Und seit auch die Wiener Philharmoniker hier endlich die Kurve bekommen haben, ist das Kapitel der Männerdomäne wohl endgültig vorbei. Gunther Pohl macht sich da gar keine Gedanken darüber. Höchstens darüber, dass die Geigen irgendwann in Cellistenzimmer umziehen müssen, weil die Bamberger Symphoniker ein drittes Damenzimmer brauchen. Das ganze Gerede von Gleichberechtigung und Quotenregelung ist Gunther Pohl eigentlich völlig egal. Natürlich kann man Kurven zeichnen, Statistiken führen, unterscheiden zwischen großen und kleinen Orchestern, aber – »das ist einfach so. Die Entwicklung kann man nicht aufhalten.«

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2004
  • Seite 10-11

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