Grundregeln der Artikulation für Bläser

Die »Artikulation« ist bei den Bläsern ein fachliches Kapitel, das erfahrungsgemäß im heutigen Ausbildungssystem nicht nur viel zu wenig Berücksichtigung findet, sondern bis dato – zumindest was die Wechselwirkung mit der Atemtechnik, aber auch was generell den »Ton-Anfang« und das »Ton-Ende« betrifft – nicht konkret und viel zu ungenau beschrieben wurde. Im dritten Teil der ­Reihe geht es um grundregeln der Artikulation.

Durch meine langjährige Unterrichtstätigkeit sowohl im Einzelunterricht wie auch in vielen Workshops habe ich es immer wieder mit den verschiedensten Instrumen­talisten aus dem Blech- und Holzbläser­bereich zu tun. Aufgrund dieser Erfahrungen weiß ich zu berichten, dass es schon zu den wichtigsten grundlegenden Artikula­tionsarten (»Non legato«, »Tenuto«, »Portato«, »Staccato« sowie »Legato«) keine einheit­liche Regelung, sondern die unterschiedlichsten fachlichen Auffassungen gibt, die teilweise auch sehr widersprüchlich sind. Interessanterweise können dabei aber oft sogar professionelle Musiker spontan keine Antwort auf die Frage geben, wie denn die generell verlangte Artikulationsart zu benennen ist, wenn also kein Artikulationszeichen über einer Note steht. »Normal!?« ist dann oft die Antwort in der ersten Ver­legen­heit. Man sollte eigentlich meinen, dass in diesem Fall die Bezeichnung »non legato« zu den Grundkenntnissen eines ­jeden Bläsers gehört. Und doch habe ich immer wieder festgestellt: sogar Musik­lehrern und Professoren fällt es oft schwer, diese fünf verschiedenen Grund­artikula­tions­arten beim Spiel am Instrument wirklich exakt voneinander zu trennen. 

  • 25.03.2014
  • Praxis
  • Robert Kreutzer
  • Ausgabe: 4/2014
  • Seite 22-24

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