Gott erleuchte Dich, mein Sohn! - Strauss und die Bläser

»Von meiner ersten Jugend berichtet meine Mutter, dass ich auf den Klang des Waldhorns mit Lächeln, auf den Ton einer Geige mit heftigem Weinen reagierte«, so Richard Strauss in seinem Manuskript »Aus meinen Jugend- und Lehrjahren«. Sein besonderes Verhältnis zu den Blasinstrumenten scheint ihm also tatsächlich in die Wiege gelegt worden zu sein. Das verwundert wenig, wenn man bedenkt, dass sein Vater Franz Strauss, Mitglied des Königlich Bayerischen Hoforchesters, einer der bedeutendsten Hornisten seiner Zeit war, von dem Richard Wagner, dessen Musik der alte Strauss zutiefst verabscheute (und mit seiner Meinung auch nicht hinterm Berg hielt), sagte: »Er ist unausstehlich, aber wenn er bläst, kann man ihm nicht mehr böse sein.«

Neben einer Handvoll Fanfaren und Militärmärschen – einige davon auf höchsten kaiserlichen Befehl komponiert – beinhaltet das kompositorische OEuvre von Richard Strauss vier Werke für größere Bläserbesetzung in der Tradition der Harmoniemusiken W. A. Mozarts, allerdings mit vergrößerter Besetzung. Die Bläserserenade op. 7 sowie die später entstandene Suite op. 7 sind frühe Werke, komponiert im Alter von 17 bzw. 20 Jahren und für je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte, Kontrafagott (oder Tuba) sowie vier Hörner konzipiert. Einige Jahre später – und um die Erfahrung des Dirigats der bedeutendsten zeitgenössischen fremden und der Komposition zahlreicher gelungener eigener Werke reicher – bemerkt Strauss über diese Art der Besetzung in einem Brief an seinen Vater: »Gegen vier Hörner sind zweifache Hölzer unmöglich.«

Diese Erkenntnis fließt schließlich auch in die beiden Bläsersonatinen F-Dur »Aus der Werkstatt eines Invaliden« (1943) und Es- Dur »Fröhliche Werkstatt« (1945) ein, die ausgesprochene Juwelen des Strauss’schen Alterswerkes darstellen. Bei diesen beiden Stücken wurde, als Gegengewicht zum Hornquartett, der Klarinettensatz von zwei auf fünf Spieler (eine C-Klarinette, ein Bassetthorn, eine Bassklarinette) erweitert. Hier zeigt sich auch gleich ein Spezifikum des Strauss’schen Orchesters: Die Klarinetten bilden, zumindest bei den großen Werken, meist die zahlenmäßig stärkste Holzbläsergruppe. Diese Besonderheit findet in den Opern »Salome« (sechs Klarinetten) und »Elektra« (acht Klarinetten) ihren Höhepunkt.

  • 29.09.2011
  • Mainstory
  • Jörg Murschinski
  • Ausgabe: 10/2011
  • Seite 28-31

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