Gloria sei dir geblasen! Das Phänomen Posaunenchor

  • 19.11.2012
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2012
  • Seite 42-43

»Laut wird die Posaune klingen«, heißt es in der deutschen Übersetzung der katholischen Totenmesse. Auch Martin Luther benutzte in seiner Bibel-Übertragung gern das Wort »Posaune«: »Posaune« steht für frommes Blasen. Zu einem Posaunenchor gehören aber auch Kornette, Trompeten, Flügelhörner, Alt-, Tenor-, Baritonhörner, Waldhörner, Tuba oder Eufonium. Zuweilen sogar Holzbläser.

Im Evangelischen Posaunendienst in Deutschland e.V. – kurz: EPiD – haben sich 1994 alle evangelischen Posaunenwerke und -verbände zusammengeschlossen. Das sind rund 7000 Posaunenchöre mit mehr als 120 000 Bläserinnen und Bläsern. Sie alle musizieren zum Lob Gottes, denn: »Lobet­ ihn mit Posaunen«, so heißt es im Bibelpsalm 150. Man will bläserisch das Evangelium weitertragen, den christlichen Glauben auch außerhalb der Kirchen verkünden. Spaß machen darf die Musik freilich auch. Wie groß und ansteckend der Spaß am Blasen tatsächlich sein kann, verriet der Deutsche Evangelische Posaunentag, der 2008 in Leipzig stattfand. Es war der erste seiner Art seit mehr als 50 Jahren. Zum Abschlussgottesdienst versammelten sich über 16 000 Mitwirkende mit ihren Instru­menten im Leipziger Zentralstadion (heute: Red Bull Arena) und bildeten dort einen einzigen, gewaltigen Posaunenchor. Das war die größte Bläseraktion der Geschichte und erhielt sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Den Abschluss im Stadionrund bildete Bachs »Gloria sei dir gesungen«, der Schluss-Choral aus der Kantate BWV 140.

 

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