Giora Feidman - Die Liebe zur Bassklarinette und das Grundbedürfnis Frieden

  • 21.09.2011
  • Porträt
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 5/2011
  • Seite 40-42

Giora Feidman ist ein Weltbürger. Einer der sich in Haifa genauso heimisch fühlen kann wie in Buenos Aires, New York oder München. Die Völkerverständigung ist ihm ein großes Anliegen. Er weiß, dass Musik Mauern niederreißen kann und doch ist er zurückhaltend: »Nennen Sie mich nicht Pazifist. Warum auch? Nur weil ich ab und zu den Mund aufmache? Nein, im Grunde seines Herzens ist jeder Pazifist. Frieden ist ein Grundbedürfnis.«Giora Feidman hat eine CD gemacht. Eine sehr schöne CD. Eine CD, die in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist. Sie widmet sich nämlich ausschließlich der Bassklarinette und zudem hat sich Giora Feidman erstmals in seinem Leben dazu überreden lassen, eine Compilation, eine Best-of-CD zu machen. Er erzählt lachend, wie er in den vergangenen Jahren immer wieder gebeten wurde, Titel für eine solche auszuwählen. »Nein!« war jedes Mal die freundliche, aber bestimmte Antwort. Denn eine CD bedeutet Feidman mehr als eine bloße Abfolge von Titeln. Sie ist eine künstlerische Einheit. Der Anlass, dass er seinen Prinzipien untreu wird, ist auch sein 75. Geburtstag, den er am 25. März beging. Aber vor allem ist es das Thema der Platte: es ist eine Liebeserklärung an die Bassklarinette. Dass die Zusammenstellung bei bisher über 40 veröffentlichten Alben schwierig werden könnte, weiß der Klarinettist natürlich. Und genau aus dem Grunde hat er sie höchstpersönlich getroffen. Gemeinsam mit seiner Frau Ora Bat Chaim – der wohl einzigen Person, von der der in Buenos Aires geborene Feidman sich überhaupt etwas sagen lässt. Das müssen lebhafte Diskussionen gewesen sein im Hause Feidman. »Dieses Stück nehmen wir und jenes nicht – das war ein schwieriger Prozess. Man muss da sehr sensibel für die Energie der Stücke sein. Die Reihenfolge muss passen, ein roter Faden zu sehen sein. Und meine Frau ist fantastisch darin.« Auf der CD sind Stücke, die Feidman zwischen 1984 und 2001 eingespielt hat und die von Komponisten wie Augustin Lara (»Granada«), Astor Piazzolla (»Kicho«), Ora Bat Chaim (»Not for our sake«) oder Richard Adler (»Hernando’s Hideaway«) geschaffen wurden.

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