gesellschaft für militärmusik - bewahrung eines kulturgeschichtlichen phänomens

Militärmusik ist für viele eine unbekannte Erscheinung geworden – ist sie doch im Fernsehen und im Radio so gut wie nicht präsent und wird sie doch von manchen Meinungsmachern als seltsame musikalische Erscheinungsform dargestellt, an der sich nur kauzige ewiggestrige Menschen mit einem Hang zum Militärischen erfreuen. Militärmusik als lebendiges musikalisches und kulturgeschichtliches Phänomen ist vielfach nicht im Bewusstsein der Menschen, auch nicht von solchen, die sich mit Musik beschäftigen bzw. Musik machen. Dafür gibt es die Deutsche Gesellschaft für Militärmusik.

Wer weiß schon, dass das moderne sinfonische Blasorchester auf der Besetzung der preußischen Militärorchester des 19. Jahrhunderts basiert und sich daraus entwickelt hat? Wem ist bewusst, dass es vor Erfindung des Fernsehens, des Radios und der Schallplatte fast ausschließlich Militärorchester in allen Städten Deutschlands waren, die für die breite Masse der Bevölkerung hörbar Musik machten? Wer macht sich klar, dass noch Anfang des 20. Jahrhunderts der musikalische Kulturbetrieb in vielen deutschen Opernhäusern ausschließlich durch Musiker aus Militärkapellen bestritten wurde, weil es nicht genügend zivile Orchester gab? Wer erinnert sich daran, dass viele Gassenhauer und Schlager des Kölner Karnevals aus der Feder örtlich ansässiger Militärmusiker stammen und dass wie selbstverständlich die Musik- und Trompeterkorps der Kölner Garnison verkleidet im Kölner Rosenmontagszug mitliefen?

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Alexander Fühling
  • Ausgabe: 2/2005
  • Seite 18-19

« zurück